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3.9.2001 - km 86'570
In den letzten zwei Tagen haben wir alle E-Mails beantwortet, das Visum für St. Petersburg in Auftrag gegeben und noch zwei, drei Museen besucht. Heute fahren wir nun in das Saimaa-Seengebiet.
In Mikkeli nehmen wir nach der Ankunft gleich ein Moorbad und müssen bei der Dusche ordentlich schrubben, damit man die Haut wieder sieht. Der Camping ist riesengross und beherbergt einige Attraktionen. Weiterfahrt nach Savonlinna, der Hauptort dieses schönen Gebietes. Nach Kontila bis Sulkava erwischen wir eine traumhaft kurvige Strecke (wie geschaffen für Motorradfahrer). In Savonlinna besichtigen wir die Burg Olavinlinna, welche altehrwürdig schön ist und eine interessante Geschichte hat.
Hier lernen wir auch eine deutsche Familie kennen, die mit BMW-Seitenwagen und -Einzelmotorrad unterwegs ist. Die kleine Tochter, Sabrina, ist irgendwie von Marcel sehr angetan und schon bald werden die beiden Freunde. Sie ist denn auch untröstlich traurig beim Abschied. Bald heisst es auch für uns: Helsinki zum Letzten...
Wir stellen nochmals unser Zelt auf dem Rastila-Camping auf, wo wir einen gemütlichen Abend mit Kaffee bei Chrigu und Erwin vor deren Camper verbringen. Am nächsten Tag flattern unsere Nerven ein wenig: Werden wir das Visum bekommen ? Gelangen wir ohne Probleme nach St. Petersburg ? Nach dem Mittag machen wir uns bei Km-Stand 85'000 und mit dem Visum in der Tasche auf den Weg. An der Grenze durchqueren wir viele Schranken und nach 90 Minuten wird uns der Weg freigegeben. An den schmutzigen Strassenrändern bieten Frauen, Männer, Kinder ja ganze Familien Früchte des Waldes, Souvenirs und Blumen an. Armut wird spürbar und macht betroffen. Problemlos gelangen wir nach St. Petersburg (zum Glück ohne Militärkontrollen). Sogar da lernen wir einen Schweizer kennen: Ein Velofahrer aus Bern. Trotz Polizeipräsenz erleben wir eine schöne Stadt voller Gegensätze: Schlechte - sehr gute Strassen, Bruchhütten - gut renovierte Häuser, prunkvolle Kathedralen - Armut, Junkies - Handys. Mit unserem Tourguide, Lada, und Dave aus Adelaide sowie Ulrike und Martina aus Berlin besichtigen wir den Peterhof (Sommerschloss des Zaren Peter der Grosse) und einen Teil der Stadt.
Am nächsten Morgen durchqueren wir relativ rasch und mit ruhigeren Nerven die Stadt und erreichen zu Narva den Zoll ohne Unterbrüche. Hier warten wir dann nochmals 90 Minuten. Sogar den Inhalt der Koffern wollen die sehen: Bitte schön, wir haben nichts zu verbergen. Endlich in der Industriestadt Narva angekommen, fühlen wir uns beim McDonalds wie zuhause: Die meisten Leute sprechen englisch, die Strassen sind wieder sauber und alles scheint westlicher zu sein. Wir kommen auch gut in Tallinn, der Hauptstadt,an und finden eine Jugendherberge. Wir besichtigen die hübsche Altstadt mit ihren vielen Kirchen. Die Insel Saaremaa ist unser nächstes Ziel: Hier finden wir bei der sympathischen Familie Kesküla einen schönen Garten, um unser Zelt wieder mal aufzustellen.
Beim Frühstück werden wir jeweils regelrecht verwöhnt und auch die Gegend lässt sich sehen: Steilküsten, viel Wald und noch unberührte Natur (Schotterstrassen !).
Der Hauptort Kuressaare mit seiner gemütlichen Atmosphäre ist sehenswert.
Das Schloss sollte man unbedingt auch besuchen. Nach drei Tagen und viel Wetterglück (das Zelt können wir noch einigermassen trocken versorgen) fahren wir wieder aufs Festland und kommen gut in Pärnu, der Sommerstadt Estlands an.
23.9.2001 - km 88'481
In Pärnu parken wir den Tiger im Innenhof der Jugendherberge und uebersehen dabei den schlechten Asphaltbelag. Dies hat zur Folge, dass wir später nach dem Abendessen als Überraschung bei der Kontrolle einen an die Wand gekippten Tiger sehen. Nachdem wir das Problem behoben und zugleich die Alarmanlage getestet haben (jawohl, sie ist laut genug), parken wir unser Gefaehrt auf einen guten, standfesten Platz. Zum Glück gab es keinen nennenswerten Schaden.
Pärnu ist die Sommerstadt Estlands mit vielen schmucken Häusern und einem wunderschönen Strand. Im Jazzkaffee geniessen wir ein feines Znacht, ehe wir den Film "Nurse Betty" genüsslich ansehen (lustiger Kinosaal, ungefähr 50jährig, aber was solls bei Fr. 2.50 Eintritt ?). Glücklicherweise können wir trocken starten und es bleibt auch so.
Bald einmal fahren wir auf einer Schotterstrasse an die Grenze. Sind wir da wirklich richtig ? Muss wohl, denn die Strasse ist im GPS gespeichert. Nun die Grenze: Was, nicht für uns ? Nur fuer Letten und Esten ? Scheisse, umdrehen und die ganze aufgeweichte Strasse zurückdriften. In Valga, der geteilten Stadt, finden wir dann doch noch den geteerten Übergang und sind auch schon bald in Lettland. Natur und Landschaft sind einfach atemberaubend.
In Cesis finden wir in einem alten, ausgedienten, ehemaligen Ferienlager eine Unterkunft und lernen hier auch Benedikt und Katharina aus Aachen kennen. Dieses sympathische Pärchen ist zu Fuss unterwegs und hat das Zelt aufgestellt. Mit ihnen verbringen wir einen gesprächigen, interessanten Abend. Danke ihr zwei !
Nachdem wir Cesis mit Schloss und Museum besichtigt haben, fahren wir weiter nach Sigulda, wo wir ebenfalls ein Schloss besichtigen. Mit der Seilschwebebahn fahren wir ueber der Gauja (Hauptfluss) nach Krimulda. Das ehemalige Schloss ist heute ein Sanatorium für Kinder\Jugendliche.
Das vierte und letzte Schloss (rekonstruiert und wunderschön mit der dazugehörenden Parkanlage) fuer heute, besichtigen wir in Turaida. Eindrücklich ist die Grabstätte der Rose von Turaida, einer ehemaligen Königstochter, die unglücklich verliebt den Freitod wählte. Noch am gleichen Abend fahren wir in Riga, der Hauptstadt Lettlands, ein. In einem Hotel, mitten in der Stadt, lernen wir Matthias kennen. Er ist aus Marburg und mit seiner Yamaha XT unterwegs. Mit ihm erleben wir zwei lustige, amüsante Abende mit Gesprächen und Billiardspiel. Danke, Matthias, wir hatten viel Spass ! Riga selber gefällt uns und ist auch sehr gross. Doch wir finden uns bestens zurecht. Leider regnet es dauernd. Unser nächstes Ziel wäre eigentlich die Nordspitze an der Ostsee, doch nach sonnigem Start begleiten uns schnell wieder Regen und Kälte. So ändern wir den Plan um 90 Grad und landen in Ventspils. Da finden wir in einem neuen Camping eine wunderschöne, günstige Hütte. Hier erfahren wir auch von den Terroranschlägen in Amerika und können diese Tragödie, wie so viele, nicht fassen. Wir brauchen zwei Tage mit TV, damit wir die Bilder endlich begreifen. Nun hoffen wir, ohne grossen Probleme über die Grenze fahren zu können. Bei der Abfahrt regnet es wieder. Trotzdem besuchen wir in Kuldiga die faszinierenden Sandsteinhöhlen.
Die Grenze passieren wir problemlos. Der Beamte hat wohl einen schlechten Tag erwischt und drängt uns zur Weiterfahrt ohne Haftpflicht. In Palanga
nisten wir uns in einem guten Hotelzimmer ein und geniessen Turm-Kaffee, Strand und Meer. Dieser Badeort hat ein Flair, das uns sehr behagt (unbedingt zu empfehlen !). Die Kurische Nehrung ist die Bernsteinküste schlechthin und beherbergt wandernde Sanddünen. Eindrücklich diese Sandmassen ! Dank dem Regenwetter unterlassen wir es jedoch, in dieser phantastischen Landschaft umherzuwandern.
Weiter gehts nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Diese Stadt gefällt uns von den baltischen drei am besten. Prachtvolle Bauten und eine pulsierende, schöne Altstadt, sowie endlich wieder Sonne. Hier geniessen wir ein paar Tage und fahren dann weiter nach Polen. Vor der Grenze, die wir problemlos passieren, überholen wir eine km-lange Lastwagenschlange. Marcel stellt fest, dass im Schnitt zehn Lastwagen pro Stunde die Grenze überqueren (es warten ja nur ca. 400).
Landwirtschaftlich gesehen, sind die Polen wohl fortschrittlicher. Ihre Bauernhöfe sehen nicht so verwahrlost aus. Die Äcker und Felder werden hier eher mit Maschinen bearbeitet statt mit Pflug und Pferd wie in Litauen. Fuhrwerke treffen wir aber auch hier noch an. Die Landschaft ist hügelig, weniger bewaldet. Die masurische Seenplatte gefällt uns sehr. Wir landen schliesslich in Olsztyn, der Bezirkshauptstadt. Die Altstadt ist klein aber fein, auf dem Schloss lebte einst der Astrologe Mikolaj Kopernikus. Das Museum ist sehr interessant, die Jugendherberge hingegen zwar schoen, jedoch ein Witz mit den Oeffnungszeiten: Von 7.00 - 10.00 Uhr und von 17.00 - 22.00 Uhr. Dazwischen und danach ist alles geschlossen; naja, dafür ist es billig.
Wetter: Wechselhaft. Morgen wollen wir nach Danzig weiterfahren.
23.10.2001 - km 89'894
Inzwischen haben wir festgestellt, dass die Jugendherbergen hier alle Öffnungszeiten von 06.00 - 10.00 Uhr und von 17.00 oder 16.00 - 22.00/23.00/24.00 Uhr haben. Natürlich liegen dann unsere Zimmer meist im obersten Stock oder zuhinterst. Danzig besitzt eine sehr schöne Innenstadt, die nicht sehr gross dafür umso übersichtlicher ist. Hier lernen wir Simon aus Schattdorf kennen. Der erste Schweizer nach St. Petersburg. Zusammen geniessen wir ein teures, aber feines Znacht. Danke, Simon. Die grösste Kirche Polens steht auch da (Marienkirche, 20'000 Menschen). Sie besitzt u.a. eine beeindruckende, spezielle Sternzeichenuhr, eine schöne Orgel und ein farbiges Fenster oberhalb des Einganges. Ausflug nach Lebo, um die Wanderdünen zu sehen. Doch diese sind nur zu Fuss oder per Boot erreichbar und so geniessen wir halt den sauberen, weissen Traumstrand und kurven der Küste entlang durch kleine, schmucke Bauerndörfchen und Badeorte.
Die Landschaft nennt sich die kasubische Schweiz und sie erinnert wirklich an unsere Heimat. Durch riesige Felder erreichen wir das nächste Ziel: Torun, das ebenfalls eine kleine, hübsche Innenstadt besitzt. Hier finden wir eine Unterkunft, die einer Priesterschule gehörte. Wir beschliessen, einen Tag hier zu bleiben und besichtigen einige Sehenswürdigkeiten. Danach geht es weiter durch viel Grün nach Warschau
, der Hauptstadt des Landes. Unser Hostel befindet sich an einem guten Ausgangspunkt, liegt aber wieder einmal im fünften Stock ... Lift ? Kennen die nicht. So buckeln wir halt unser Gepäck hinauf.
Den Importeur haben wir schon bei der Anfahrt gesehen und am Montag kontaktieren wir ihn. Die Pneus werden gewechselt, aber die neue Feder muss bestellt werden. Wir tun dies über den TCS, da dies wegen dem Zoll schneller gehen sollte. Doch leider schicken sie uns das Standardfederbein, das allerdings zu schwach ist für uns. So müssen wir halt eine Woche länger als geplant und einige mühsame Stunden am Flughafen hier verbringen (erstes Teil abholen: 3 Stunden, erstes Teil zurücksenden: 2 Stunden, drittes Teil abholen: 2 1/2 Stunden). Dafür sehen wir die zwei Filme "American Pie II" und "Moulin Rouge" und amüsieren uns sehr. Ausserdem lernen wir Willi aus Hannover kennen, unser Zimmernachbar. Mit ihm führen wir interessante Gespräche und sind dankbar dafür.
Die zweite Lieferung enthält eine neue, stärkere und auch funktionable Feder, allerdings ist sie immer noch nicht die richtige. Wir hoffen, diese in Athen montieren zu können. In Warschau selber gefällt uns das wunderschöne und neu aufgebaute Schloss sehr und vom Turm des Kulturhauses hat man eine tolle Aussicht. Zudem war die Jugendherberge zwar teurer (überhaupt die ganze Stadt), jedoch sehr sauber und gut ausgestattet mit freundlicher Bedienung. Warschau bedeutete für uns also vor allem eines: Warten. Endlich geht es weiter Richtung Süden nach Krakau durch herrliche Landschaften mit Obstplantagen, Fuhrwerken und riesigen Ackerfeldern. Nur noch 15 km bis Krakau ... schöne Kurve ... toller Anstieg ... Scheisse ! ! Kettenriss ! ! Nichts geht mehr. Zum Glück sind wir ohne Kratzer davongekommen. So dauert es eine Weile bis wir mit Rollen, Stossen und Abschleppen in einer Werkstatt ankommen. Die neue, mitgebrachte Kette ist denn auch schnell montiert. Ohh, wir merken erst jetzt, dass sie zu lang ist. Nach dem Kürzen war sie dann zu kurz, aber jetzt sitzt sie ganz gut. Leider stellt sich nun heraus, dass die Ritzelabdeckung durch den Schlag der Kette gebrochen und somit Öl ausläuft. So kontaktieren wir halt wiederum den TCS und bestellen das Teil. Die Lieferung dauert zum Glück nicht so lange und in der Zwischenzeit können wir die Stadt Krakau geniessen
Sie ist wunderschön mit viel Leben und Musik (meist Strassenmusikanten). Ihr Flair fasziniert uns. Nicht umsonst ist es die Kultur- und Universitätshauptstadt Polens (110'000 Studenten). In der Jugendherberge (wo wir fast jeden Tag kämpfen müssen, um länger bleiben zu können und nun bereits im dritten Zimmer sind) lernen wir Robert aus Miami, Tina aus Tennesse und Liz aus Kanada kennen. Mit ihnen haben wir es lustig und können über die zum Teil unfreundlichen, unfähigen Rezeptionistinnen tratschen. Auch die Salzmine in Wielicka, die seit 700 Jahren existiert, besichtigen wir und sind sehr beeindruckt. Ebenfalls sehenswert ist der
Wawel
, das Schloss von Krakau, das eine wertvolle Schmuck-und Waffensammlung sowie die kostbare Sigismund-Kathedrale mit 10 t schwerer Glocke (Antwort auf Big Ben) und den Königsgräbern besitzt.
Der geplante Abreisetag verschiebt sich dann noch zwei Tage, die wir in einem Hotel nahe der Werkstatt totschlagen; dem Zoll sei gedankt ! Nach einigen Telefonaten und Druckmachen können wir das Teil endlich montieren und problemlos nach Zakopane weiterreisen. Dieser Hauptskiort ist mit Engelberg vergleichbar, nur viel lebendiger und mit Live-Folklore-Musik. Uns gefällt es sehr gut hier. Weiterfahrt über die slowakische Grenze auf guten Strassen, durch herrliche Landschaften. Herbstfarben begleiten uns. Nach einer Nacht in Rozvana fahren wir am Unabhängigkeitstag in Ungarn ein.
09.11.2001 - km 91'769
Die Grenze haben wir gestern gut passiert, unsere erste Station, Eger, finden wir eine tolle Unterkunft (Pension). Jetzt gehen wir auf Erkundungstour, besichtigen Burg und Städtchen, erholen uns im Thermalbad und trinken köstlichen, einheimischen Wein: "Eger Stierblut". Bei sonnigem Wetter touren wir um das Matragebirge, geniessen den herbstlichen Wald auf kurviger, schöner Strasse und fahren dann weiter durch das Bückgebirge bis in das Weingebiet Tokaj mit gleichnamigem Dorf. Hier kosten wir wieder Wein, diesen herrlichen Saft ! Der Weinkeller ist uralt, klein aber fein. Zufällig wird hier auch noch das Finale der Rallymeisterschaft ausgetragen, und so sehen wir einige zurechtgemachte, farbige Trabiexemplare. Weiter gehts immer noch bei Sonnenschein durch den Nationalpark Hortobagyi (Puszta) mit der Neunbogenbrücke nach Debrecen. Danach fahren wir durch die topfebene, fruchtbare Ackerlandschaft nach Szeged. Diese hübsche Stadt ist wirklich sehenswert. So benötigen wir einen ganzen Tag, um das Meiste zu sehen. Die grösste Ueberraschung: Im Pub war das Bier teurer als der Riesenteller Spaghetti !
Budapest, wir kommen ! Diesmal bei bedecktem Himmel, aber mit lustigen Bekanntschaften. In einer alten, flippigen Jugendherberge mit netter, hilfsbereiter Leiterin, beginnt unsere Zeit hier in der Hauptstadt. Wir lernen Australier, ein Artgentinien/Schweden-Päärli kennen, mit Maurizio und Luminosa aus Italien verbringen wir gar den ganzen Tag (endlich wieder mal italienisch sprechen). Zusammen besichtigen wir die Fischerbastion, den Schlosshügel und spazieren durch die Margariteninsel. Wir bewundern das Westendcenter (hypermodern) und die Nachtbeleuchtung des Parlaments an der Donau. Im Szechenyi-Park sehen wir kurz das Schloss, bestaunen den Heldenplatz mit Milleniumsmonument und geniessen das Heil-Thermal-Bad. Am Abend machen wir unsere erste Bekanntschaft mit dem Winter und gehen Eislaufen (auaah, meine Muskeln (Flavia) !). Abschied Budapest und Fahrt durch hügelige, grüne Landschaft an den Plattensee, um noch eine letzte Nacht in Ungarn zu verbringen. Wir beenden diese Odyssee wie wir angefangen haben: Mit Wein beim Essen und sonnigen Tagen. Hügel begleiten uns noch bis an die Grenze, dann wird die Landschaft wieder flach und erhebt sich erst kurz vor unserem heutigen Ziel wieder: Maribor in Slowenien.
Nebst der ältesten, nahegelegenen Stadt Ptuj, sehen wir hier auch die älteste Weinrebe der Welt: Blauer Kölner, 400jährig. In Graz besuchen wir Michi und ihre Familie und sind sehr glücklich, sie wieder einmal gesehen zu haben.
Bei Temperaturen so um 10°C fahren wir durch eine phantastische Landschaft mit Kurven, über Berg und Tal (nur leider ohne Sonnenschein) nach Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens. Man glaubt es doch kaum, nach der ersten Nacht haben die doch extra die Wolken schneien lassen ! Und das ging den ganzen Tag lang weiter ! Unser Tiger versinkt unter der weissen Pracht und unsere Schuhe versumpfen im Matsch. Zum Glück gibts Motorradstiefel !
25.11.2001 - km 92'850
Jawohl, es hat wirklich geschneit. Zum Glück sind die Strassen trocken, doch es ist eisig kalt. Genau deshalb machen wir uns auf den Weg, um die riesigen Tropfsteinhöhlen in Postoina zu besichtigen (phänomenal). Wieder am Tageslicht, zeigen sich nun kurz einige Sonnenstrahlen. Der Bora (Nordwind) hingegen fegte uns fast von der Strasse, doch wir kämpfen dagegen an; stark wie die Lipizaner-Pferde ! Wir inspizieren nach einer aufwärmenden Mittagspause das seit 1580 bestehende Gestüt in Lipica. Die Führung ist sehr interessant, sind wir zwei doch die einzigen in der deutschen Gruppe. Der Name Lipica bedeutet, kleine Linde. Beim Verkauf eines Pferdes während der Zeit des 1. - 2. Weltkrieges wurden jeweils drei Linden gesetzt.
Wegen diesen Wetterverhältnissen kürzen wir unsere vorgesehene Tour ab und fahren gleich nach Rijeka in Kroatien. Dies ist eine pulsierende Hafenstadt mit schönen Fussgängerzonen. Hier erledigt Marcel kleine Arbeiten am Tiger.
Tagsdarauf nimmt die Bewölkung wieder zu und so nutzen wir die noch warmen Temperaturen zur Weiterreise. Je südlicher wir fahren, umso sonniger und wärmer wird es (ca. 20°C).
Die bezaubernde kroatische Küste zeigt sich nun von der besten Seite. Wir sind begeistert ! Nach der Universitätsstadt Zadar finden wir in einem kleinen, schmucken Dorf am Meer ein günstiges, modernes Zimmer mit Familienanschluss. Hier müssen wir noch das gebrochene Koffergestänge schweissen lassen. Die Familie ist sehr grosszügig und gastfreundlich, doch wir wollen weiter in den Süden (wie die Zugvögel).
Der Himmel ist wieder bewölkt, die Temperaturen entsprechend kühler. Kleine Inseln gesellen sich nun zur Küste hinzu. Weit draussen löst gleissendes, helles Licht die Wolkendecke ab. Es taucht so die ganze Landschaft in eine mysthische Stimmung. Die nächste Grossstadt Split bietet mit ihren Hochhäusern und den grässlichen Industriebauten keinen schönen Anblick. Sie ist uns keinen Besuch wert und darum fahren wir ohne Stop weiter. Begleitet von kräftigem Wind führt die Küstenstrasse dem Hang entlang, steigt an, zieht hoch über dem Wasser einen Bogen um einen Halbtrichter in dem der Bora richtiggehend herabstürzt. Eine heikle Passage: Dafür werden wir nach der nächsten Ecke mit schlagartigem Anstieg der Temperatur um 5-7°C belohnt.
So erreichen wir das Städtchen Makarska, welches mit seinem mediterranen, romatischen Flair der ganzen Riviera den Namen gab. Weiter gehts, der atemberaubenden Küste entlang Richtung Dubrovnik. Unterwegs bricht das Gestäng erneut an derselben Stelle. Trotz Fixierung mit Spannset, verstummen die ungewöhnlichen Geräusche nicht. Glücklich am Ziel angekommen, wird uns gleich ein Privatzimmer angedreht. Es ist in einer Familienwohnung integriert und günstig. Leider stellen wir beim Abladen des Tigers fest, dass die Geräusche vom gebrochenen Heckrahmen herrührten. So eine Scheisse ! Unser Gastgeber führt uns freundlicherweise tagsdarauf zu einem guten Spengler, der den Tiger wieder sprintfähig macht. So verbringen wir fünf Tage hier, geniessen die wunderschöne Altstadt mit der gänzlich erhaltenen Stadtmauer und die familiäre Gastfreundschaft.
Marcel konnte sogar ein Bad in einer der vielen herrlichen Buchten geniessen.

Weil uns vor der Durchfahrt Albaniens und Montenegros abgeraten wird, nehmen wir die Fähre via Bari nach Patra auf dem Peloponnes. Doch bevor wir diese schöne Gegend verlassen, statten wir Cavtat noch einen Besuch ab. Dies ist ein verzaubertes, kleines Fischerdörfchen mit einer romantischen Hafenpromenade. Hier erholen wir uns vor der anstrengenden Fährenfahrt. Beim Verladen lernen wir Kaz kennen, ein Japaner, der mit seiner Suzuki DR Big seit zwei Jahren unterwegs ist. Unser gemeinsames Ziel: Griechenland. Die interessante Zeit mit ihm vergeht zu schnell. In Bari wollten wir eigentlich unsere Kollegen Luminosa und Maurizio wiedersehen. Leider fanden wir jedoch beim letzten E-Mail-Check vor der Abfahrt keine Nachricht von ihnen. Deswegen konnten wir sie nicht treffen.
Nach der 15stündigen Fahrt über das adriatische Meer kommen wir nach dem Mittag in Patra an. Nanu, was ist denn das ? Die Batterie ist leer ! Doch Marcel kann beim Anrollen die Rampe herunter den Tiger starten. Auf dem Hafengelände verabschieden wir uns mit Gruppenfoto von Kaz. Unter Motorrad fährt uns gerade exakt genau noch 500 m weit bis zur Ausfahrt. Jetzt heisst es: Schieben. Und das unter blauem Himmel ! Zum Glück liegt die nächste Motorradwerkstatt nahe. Diagnose: Nur eine flache Batterie. Nach 2stündigem Aufladen gehts der Küste entlang weiter Richtung Athen. In einem kleinen Nest nach Egio (ca. 50 km von Patra entfernt), ist die Batterie doch schon wieder "hinüber". Wir quartieren uns in einem Privatzimmer bei Einbruch der Dunkelheit ein. Die kommenden zwei Tage regnet es mehr oder weniger. Während dieser Zeit findet Marcel das Problem: Ein defekter Magnetschalter war die Ursache. So war der Stromfluss vom Alternator zur Batterie unterbrochen. Überbrückt gehts am nächsten sonnigen Tag weiter durch hübsche Dörfer, dem türkisblauen Meer entlang. Vor Athen überqueren wir den Korinth-Kanal und erreichen die Stadt und die Jugendherberge ohne Schwierigkeiten.
05.12.2001 - km 92'949
Die Herberge gefällt uns sehr: Nicht die Zimmer, nicht der Schmutz, nicht die Toiletten aber dafür die freundliche, lustige Crew und natürlich die Reisenden. In dieser Stadt haben wir einiges zu tun. Endlich wieder Internet ! Wie wir jetzt erfahren, hatten Maurizio und Luminosa schon um 6.30 - 7.15 Uhr am Hafen in Bari gewartet, mussten dann aber zur Arbeit. Die Fähre aber hatte leider über eine Stunde Verspätung. Wir möchten den beiden herzlichst für ihre Bemühungen danken und finden es immer noch schade, dass unser Treffen nicht zustande kam ! Die Akropolis mit ihren Tempeln gefällt und beeindruckt uns riesig. Das Altstadtviertel Plaka mit engen, verwinkelten Gässchen ist sehr idyllisch. Vom
"Top of the city" sieht man rundherum nur Stadt. Der "Grand Canyon" (= Athina Strasse) fällt besonders auf.
Auf der Suche nach dem Ersatz-Magnetschalter wird uns das Verkehrschaos erst richtig bewusst. Wir verfahren uns oft. Doch am Ende bekommen wir meistens was wir wollen. In diesem Fall sogar eine Gratispackung honiggetränkter Kekse (= Melomakaronas) ab Fabrik noch dazu. Jetzt müssen wir auf die gegenüberliegende Akropolisseite zum Oehlins-Importeur. In diesem Strassen- und Verkehrsgewimmel jedoch ist es nicht ganz einfach. Zum Glück lernen wir an einer Ampel Elias auf seiner BMW F 650 kennen. Er führt uns zum Importeur und gibt noch einige gute Tipps, denn er ist mit seinem Motorrad schon weit herumgekommen. So ergibt sich ein angeregtes Gespräch bei welchem er erwähnt, dass heute Abend ein Club-Höck der Transalp- und Tigerfahrer stattfindet. Nachdem wir uns von ihm verabschiedet, Adressen ausgetauscht und bei V. Dulaveris, der griechischen Motorrad-Rennlegende, endlich die richtige Feder abgeholt haben, fahren wir in die Herberge zurück.
Am Abend finden wir dann das Club-Lokal. Wie sich herausstellt treffen sich hier nur Transalpfahrer. Dieser kleine Irrtum stört uns aber nicht, erleben wir doch einen "sauglatten" Abend mit interessanten, offenen Mitgliedern. Vielen Dank diesen sympathischen Bikern ! Des weiteren müssen wir in den nördlichsten und reichsten Stadtteil zum Triumph-Importeur. Da wird der grosse vorgesehene Service gemacht und der Heckrahmen verstärkt. Marcel ist sehr froh, dass wir den Tiger an seinem 30. Geburtstag abholen können. Ausserdem macht ihm der nette Inhaber mit einem Rabatt auf der Rechnung, ohne sein Wissen, ein gelungenes Geschenk. A propos Jubiläumsgeburtstag: Herzlichen Dank dem regen Gratulationsansturm, waren es doch ganze 4 E-Mails ! Marcel's Wünsche konnten wir, zwar nicht am gleichen Tag aber doch, nach und nach alle erfüllen.
Um unser Gesamtgewicht zu reduzieren, was wichtig für die Weiterreise ist, haben wir als erstes ein leichteres Zelt gekauft. Unsere Eindrücke der griechischen Hauptstadt: Sie ist die Stadt der Gegensätze ! Wunderbare archäologische Stätten - schmutzige schlechtgebaute Häuser; zu kleines öffentliches Transportnetz - riesiger chaotischer Privatverkehr (= athen. Kollaps); teure, noble Geschäfte in den Fussgängerpassagen - viele arme bettelnde und arbeitslose Menschen. Die Märkte sind für uns ungewöhnlich vielfälltig, farbenfroh und laut ("oriste, oriste" = "kauft, kauft"). Eine spannende Sache, hier rumzustöbern. Diese Stadt muss man einmal erlebt haben !
Nach zehn Tagen geht's endlich weiter. Die Fähre nach Chania in Kreta legt um 20.30 Uhr ab. Müde kommen wir frühmorgens an. Was soll denn das Wortgewitter ... ?
21.12.2001 - km 93'657
Die Nacht auf der Fähre war ruhig, doch was soll denn das am Morgen früh ? ! Wir mussten den Tiger neben dem überfüllten Gepäckkäfig vor einen Truck hinstellen, um ihn wenigstens ein wenig mit Seilen sichern zu können. Denn vollbeladen ist der Stand nicht so der beste. Nun hat es aber ausgerechnet dieser LKW-Fahrer so wahnsinnig eilig und lässt, als wir zum Tiger laufen, ein gewaltiges Wortgewitter auf uns nieder ! Marcel merkte, dass das Gemecker nur auf griechisch war und fragte ihn freundlich, ob er das vielleicht in englisch wiederholen könnte. Au ! Er findet das wohl nicht so lustig und wirft seine Hände in die Luft ! Naja, dann eben nicht. Stressen tun wir deswegen schon grad gar nicht. Er versucht es noch einige Male wild gestikulierend, aber es war halt immer noch unverständlich für uns. Beim Losfahren schaute Marcel noch lange in den Rückspiegel, doch von ihm ... keine Spur ! Wie kann man sich nur morgens um 6.00 Uhr sein Leben so schwer machen ?
Die Strassen sind nur noch teilweise nass und so kommen wir im Dunkel des Morgens gut voran. In Chania setzen wir uns erstmal in eine Imbissbeiz und trinken Kaffee. Nach zwei Stunden bricht der Morgen an und äh ... gleich gebenüber liegt ja die Touristeninformation und ein Haus weiter eine Bank. Das Geld bezogen, die Infos eingeholt, geht's auf die Suche nach einer Unterkunft. In der Nähe der Beach finden wir eine günstige Pension. Mit Zwieback, Tee und Kaffee werden wir willkommen geheissen. Die griechische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich. Nur das Wetter will nicht so. Die nächsten Tage, wir haben es rechtzeitig vor einem Sturmtief geschafft, sind sehr windig und regnerisch. Wir vertreiben die Zeit mit Schreiben, Internet und Spaziergängen.
Ausserdem sortieren wir, zwecks Gewichtsreduktion, unser Gepäck und reinigen dabei so manches. Trotz Regen fahren wir weiter, nach Rethimno. Die billige Unterkunft besitzt keine Heizung (wäre schon gut bei ca. 10°C), dafür jede Menge Wolldecken. Zudem werden wir auch hier mit Speis und Trank verwöhnt. Im Gegensatz zur kleinen, hübschen Altstadt mit venezianischer Hafenanlage in Chania, besitzt Rethimno für uns nur gerade eine beeindruckende Jugendherberge. Da sich das Wetter einfach nicht bessern will, wagen wir die Fahrt an die Südküste. Das einzige Problem: Nasse Bergstrassen und die zu überquerenden Bergketten Siderotas und Kedros. Die Fahrt ist anstrengend, und "nass" ist nur der Vorname. Trotzdem machen wir den Abstecher nach Preveli, durch Olivenplantagen, um den Ausgang des Palmenwaldes von oben zu bewundern. Oh, wie schön, es ist einen Moment lang trocken, aber wirklich nur kurz.
Zum Glück haben wir unsere Overalls ! Nach etwa drei Stunden kommen wir im kleinen, ehem. Fischerdorf Lentas an und finden ein günstiges, modernes Studio mit Küche: Yeah, endlich wieder selber kochen ! Die Ladenbesitzerin öffnet extra für uns, damit wir einkaufen können. Die Sonne zeigt sich nach langem wieder am nächsten Tag. Wir nutzen die Gelegenheit, fotografieren und spazieren im idyllischen, ruhigen Örtchen. Den Winter über beherbergt dieses Nest am Lybischen Meer wahrscheinlich mehr Katzen als Einwohner. Die Sonnenstrahlen geben uns ebenfalls die Gelegenheit, einige Reinigungs- und Reperaturarbeiten an Tiger und Reisematerial vorzunehmen. Nach feinem Znacht Spaziergang in der Nacht mit sternenklarem Himmel und beeindruckender Milchstrasse. Bald geht's wieder weiter, wir brauchen dringend Geld um wieder einmal tanken zu können. Das Wetter ist wechselhaft, trotzdem schaffen wir die Fahrt bis nach Iraklio ohne Regentropfen. Die Touristenpolizei hat nur morgens geöffnet, die Touristeninfo ist eh schon geschlossen und die Jugendherberge uns den Preis nicht wert. So finden wir 120 Min. nach Ankunft in Hafennähe ein altes, aber zurechtgemachtes warmes Hotelzimmer mit Küche. Die folgenden Tage sind sonnig. Wir geniessen die venezianische Hafenanlage, das Fort und die wunderschöne Kirche des hl. Titus. Die selbstgekochten Menues schmecken uns sehr, die Palastanlage von Knossos ist noch interessanter. Hier entstand vor ca. 3500 Jahren die minoische Hochkultur. Die Palastmauern wurden mit leicht zu bearbeitendem Alabaster verziert. Toilettenspühlungen und Trinkwasserleitungen waren damals schon vorhanden.
Heute darf man in Griechenland das WC-Papier nicht ins Klo werfen, da sonst die Leitung verstopft. Wo ist die Intelligenz von damals geblieben ? Natürlich kamen mit Invasionen von Persern, Römern und Türken schreckliche Zeiten ins Land, doch liegt es nicht mehr an der Faulheit der Menschen, dass so viel nützliche, gescheite Dinge verlorengingen und nicht mehr aufgefrischt werden ? Wenigstens sieht man ab und zu Container zum Sortieren des Abfalls ... (Marcel: Hab die Dinger nur am Athener Flughafen gesehen !). Die Stadt hat sonst nicht viel zu bieten, so fahren wir bald wieder los Richtung Westen.
Kissamos ist das letzte Ziel. Im Landesinneren ziehen sich schwere Regenwolken über den Bergen zusammen, an der Küste ist das Wetter freundlicher gestimmt. Trotzdem wagen wir einen Ausflug in das Bergdorf Argiroupoli. Dort gibt es ein, wiederum vor Generationen erbautes, Zysternensystem, um die Quellwasser für die Felder zu speichern. Dieser Ort muss im Sommer wohl eine herrlich grüne Oase sein. Ueber den Hals der Halbinsel Rodopos fahren wir auf kurviger, idyllischer alter Strasse an Olivenbäumen, Dörfchen, Schluchten und Bergen vorbei. Kissamos gefällt uns gar nicht bis auf eine einzige gemütliche Taverne an der Uferpromenade. Dort geniessen wir Tee und Kaffee beim Jassen und siehe da, Flavia gewinnt ! So steht es nur noch 2 : 8 ! Eigentlich wollten wir von hier mit der Fähre auf den Peloponnes übersetzen, doch es hat einfach immer zuviel Wind. Und nur auf das "vielleicht morgen" des Reisebüroangestellten wollen wir uns nicht verlassen. Deswegen kehren wir zu unserem Ausgangspunkt Chania zurück. Die Tickets sind gekauft, die Wartezeit überbrücken wir in einer Bar. Hier sehen wir im TV die verschneiten Bilder im Norden des Landes und entschliessen uns, noch einige Tage hier im wärmeren Süden zu verbringen. Wir buchen um, checken wiederum in der gleichen Unterkunft ein und geniessen die anschliessenden sonnigen Tage mit einem Abstecher ins Lefka Ori-Gebirge mit dem wunderschön gelegenen Bergdorf Laki. Wir hätten nicht gedacht, diesen Winter noch einmal Schnee sehen zu können.
Flavia: "Yeah, endlich Schneeballschlacht, volles Rohr auf Marcel (der wehrlos auf dem Tiger sitzen bleiben muss) !"
Marcel: "Hi, hi, hi Treffen sollte man können !"
Flavia holt aus, mit viel Schwung ... schwupsdiwups da liegt sie schon ! "Muss wohl nächstens mal einen Schiesskurs nehmen .. !"
Nun ist es soweit: Am 21. Dezember '01 verlassen wir per Fähre die Insel Kreta und folgen dem weihnachtlichen Ruf des Grossstadtdschungels.
12.01.2002 - km 93'717
Bei strömendem Regen kommen wir in Athen an und kämpfen uns 100 Min. lang durch den stockenden Verkehr. Die Fahrt geht durch hundert Seen und an ebensovielen reissenden Bächen vorbei. Nun wird endlich mal diese schmutzige Stadt richtig gewaschen, doch das Paradoxe ist, dass ausgerechnet jetzt die Müllabfuhr streikt. Nicht dass es schlimm wäre, nur so etwa eine Lkw-Ladung voll an jeder Ecke ! Dies ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten, die wir nicht fotografieren. Wie sind wir froh, im Hostel ein geheiztes Zimmer vorfinden zu können. Bei der sympathischen, lustigen Crew fühlen wir uns fast wie zuhause. Die kommenden Tage verbringen wir bei Sonnenschein und Temperaturen um die 18°C. Heiligabend feiern wir mit unseren japanischen Freunden bei Bier und "Hinkelkaffee". Den ganzen Weihnachtstag über finden am Syntagma-Platz Konzerte statt.
Dieser Festtag wird nach unserem Empfinden hier in Athen eher kitschig gefeiert. Abends dann im Gedränge und bei einem Moment der Unachtsamkeit bedient sich so ein blöder Langfinger unserer Pocketkamera. Nach dem ersten Schock wird uns klar; wir gehören nun ebenfalls zu den Millionen bestohlenen Touristen. Polizeirapport abgeholt, Ersatz gefunden. Beat und Kathrin holen wir am Flughafen nachts um 01.30 Uhr ab. Zum Glück haben sie den Flug gut überstanden, fegte doch vor Abflug in Zürich ein Schneesturm. Glücklich, aber hundemüde fallen wir gegen 04.00 Uhr in die Federn. Die mitgebrachten Sachen enthalten nebst Info- und Kartenmaterial auch leckere Geschenke von unseren Familien und Freunden. Das ist wirklich Weihnachten für uns !
Die kommenden Tage mit ihnen sind interessant, lustig und gemütlich. Sonnenstrahlen kitzeln unsere Nasen und Tom's Recyclingladen bleibt ein origineller Anblick aus Beat und Kathrin's Hotelzimmer. Wir danken den beiden ganz herzlich für ihr grosse Hilfe (Heimnehmen des Gepäcks) und die unvergesslichen Tage !
Beim Abflugstag schlägt dann das Wetter um und es beginnt zu regnen. Zwei Tage später bringen wir den Tiger nochmals zum Importeur, um die letzten Arbeiten erledigen zu lassen. In der Nacht auf den 4. Januar fängt es an zu schneien. Für uns ein Riesenspass, für die Griechen ... ahh, Nationalfeiertag ? ! Kaum einer bemühte sich, durch den Schnee zu stapfen, um an die Arbeit zu gelangen. Etwa 80% der Geschäfte, Museen bleiben daher geschlossen. Das öffentliche Verkehrssystem ist zusammengebrochen. In den nördlichen Stadtteilen fielen ca. 40 cm dieser weissen Pracht, die aber somit diese Quartiere von der Umwelt abschnitt. Die Griechen kommen damit einfach nicht klar. Okay, es ist der strengste Winter seit 40 Jahren. Doch gelernt haben sie daraus nichts, bedenkt man, dass immer mal wieder Schneeflocken fielen. Schneeräummaschinen sind zwar vorhanden; im Norden jedoch kein Bedienpersonal, im Süden kein Salz. So bleibt auch unser Tiger beim Importeur stehen: Zuerst wird fast nichts wegen Inventar daran gearbeitet, dann kam eben der Schnee. Gut, abfahren hätten wir ja sowieso nicht können. Wir warten also und lernen dabei interessante Menschen wie Jun (N), Jürgen (D) und Johann (A) kennen. Mit ihnen erleben wir lustige, unvergessliche Stunden. Efcharissto poli Euch allen !
Endlich dürfen wir den Tiger abholen. Nun wissen wir, warum der erste Gang immer wieder rausfiel ! Wie sie uns beim Motopark erklären, muss der Motor schon vorher einmal geöffnet und nicht mehr richtig verschlossen worden sein. Deswegen habe es den Passstift der Lagerbuchse der Getriebeausgangswelle abgebrochen und somit hatte diese Welle immer ein Bewegungsspiel zur Verfügung. Das einzige Mal, wo Marcel sich erinnern kann dass der Motor geöffnet wurde, war beim ersten Starterfreilaufwechsel ! So war das nun das zweite, teure Folgeproblem aufgrund der Schlamperei unseres Töffmechs; danke ! Das Geld wäre für unsere Reise gedacht gewesen und nicht für die Ausmerzung solcher Fehler. Wir sind sehr enttäuscht und wütend ! !
Der Tiger wird nun wieder mit Gestänge und Koffern vervollständigt und ... los geht's ! Nach Verabschiedung der sympathischen Jugendherberge-Team, fahren wir am 12. Januar '02 in Richtung Peloponnes weiter.
03.02.02 - km 95'536
Der Korinthkanal ist unspektakulär mit nicht so vertrauenswürdigen Brücken. Das harmonisch in die Landschaft eingebettete Amphitheater Epidaurus
beeindruckt uns mit seiner phänomenalen Akkustik sehr. Die speziell geformten Sitzreihen entstanden aus grossen Steinquadern. Eine gute Unterkunft in Nafplio gefunden, besteigen wir die Festung Palamidi mit ihren acht Bastionen. An diesem Tag kraxeln wir über 1300 Treppenstufen rauf und runter. Ebenso besuchen wir das kleine, schmucke Komboloimuseum. Die Geschichten über den "Rosenkranz" sind sehr interessant, kommt er doch eigentlich aus dem arabischen Raum.
Nafplio besitzt eine idyllische Altstadt. In Mykenae bewundern wir das Kuppelgrab des Atreus (best erhaltenes) und die Akropolis mit dem "lions gate" (Eingang mit zwei Löwenfiguren oberhalb) und dem Palast. Die Steinblöcke faszinieren durch ihre Grösse und ihre damalige Verarbeitung. Die schönste und sauberste Bucht des Peloponnes befahren wir in Koronthas, hinter der Festung Palamidi.
Auf der Fahrt von Nafplio nach Monemvassia geht die Strasse über das Parnon-Bergmassiv. Langsam kommen wir dem Schnee immer näher; auf 1200 m.ü.M. ist es uns im stockdicken Nebel und auf den Strassen mit Schneeverzierungen gar nicht mehr wohl. Wie sind wir froh, heil herunterzukommen und in Monemvassia rasch ein günstiges Zimmer finden zu können. Die Helden des Tages: Marcel und der Tiger ! ! Besichtigung der beeindruckenden, ruinösen Altstadt von Monemvassia, Besuch des kleinen, interessanten Museums und Herumkraxeln auf den schmalen Gässchen. Wegen dem Regen lassen wir die Besteigung der Treppe hinauf zur oberen Stadt bleiben. Weiter geht's nach Sparta durch terrassiert angelegte Olivenhaine, an mit Orangen gefüllten Lastwagen vorbei. Landschaftlich geben verschieden Laubbäume und Büsche eine willkommene Abwechslung. Olivenbäume werden gestutzt und zum Teil auf Eseln abtransportiert. Das sieht dann jeweils lustig aus, wenn nur noch der Kopf und die Beine des Tieres unter den geladenen Ästen sichtbar sind. Besichtigung der archeologischen Stätte, wobei uns das ehemalig grösste Amphitheater mehr zum Staunen bringt, als der Tempel auf der Akropolis. Die Steine des Theaters benutzten die späteren Griechen, um ihre eigenen Häuser zu bauen: Typisch ! ? !
Bis jetzt war das Wetter wechselhaft. Hoffentlich setzen sich die Alkionides (= oblig. warmen Januartage) bald durch.
Was wir bei der Durchfahrt von Ghitio sehen, ist eine lange Promenade mit schönen Fassaden. Das gefällt uns sehr, doch möchten wir noch etwas weiter auf die Mani fahren. Sie ist der mittlere Finger der Peloponnes-Hand. Jeder Finger hat seine Besonderheiten. In Areopouli, einem Bergdörfli, quartieren wir uns in einem Arktiszimmer ein (keine Heizung). Die mit dem Boot befahrbaren, wunderschönen Tropfsteinhöhlen in Pirgos Dirou sind der absolute Reinfall: Der Eintritt ist sehr teuer und zu unserem Schreck die Führung nur auf griechisch. Die private Touristikorganisation E. T. A. macht niemanden darauf aufmerksam und hat auch sonst keine Alternativen zu bieten ! Frechheit und Abzockerei ! Die Landschaft der Mani ist karg, ihre Dörfer mit den Burgtürmen sind sehr charakteristisch. Mohnblumen blühen, kleine Kuhherden geniessen das Leben auf den Weiden. Unser nächstes Ziel, die grösste Stadt des Peloponnes: Kalamata. Hier testen wir unser Zelt und campieren drei Nächte lang. Der Campingplatz ist wirklich nur für den Sommer geeignet und diese Stadt besitzt bis auf die Uferpromenade kein Flair. Dafür ist der Ausflug, auf den vierten Finger, nach Koroni, Methoni usw. wundervoll. Die Sonne, manchmal in Begleitung von wenigen Wolken, blieb uns bisher treu. Nach der Ankunft in Olympia, nutzen wir gleich noch die Sonnenstrahlen und besuchen den Gründungsort der olympischen Spiele. Staunend laufen wir durch die Ruinen und bleiben fasziniert vor den Säulen des Zeustempels stehen. Diese müssen einen Umfang von annähernd acht Metern haben ! Wow, wie haben die das bloss um 1000 v.Chr. fertiggebracht ? Sehr beeindruckt verlassen wir die Stätte und finden eine Pension im Dorf. Besuch des nicht weniger beeindruckenden Museums am nächsten Morgen und anschliessend Weiterfahrt im "greschtä Schiff" an Acker-, Getreide- und Gemüsefelder vorbei bis über Patra hinaus nach Rio (nein, nicht 'de Janeiro').
Hier setzen wir mit der Fähre aufs Festland über und fahren der herrlich schönen Küste entlang bis Itea. Am Abend spazieren wir auf der phantastisch gestalteten Uferpromenade. Delfi, der "Nabel der Welt" heisst die nächste mythologische Stätte, die wir erobern. Die Lage, inmitten der Berg- und Felsenwelt des Parnassos-Massivs, ist einfach atemberaubend; das Museum wiederum sehr interessant. Am Skiort Arahova sowie an Baumwoll- und Rebbergfeldern vorbei geht die Fahrt auf autobahnähnlicher Holperpiste weiter bis nach Athen. Zum Teil liegen noch auf nur etwa 600 m.ü.M. Schneereste an schattigen Stellen.
Zum dritten Mal beziehen wir im Hostel ein Zimmer, werden von den Receptionisten freundlich willkommen geheissen und begegnen auch alten Bekannten, wie Paul aus Victoria (Vancouver, Kanada). Mit ihm verbringen wir den Abend bei einem Kaffee, diskutieren über Gott und die Welt. Thank you very much, Paul, for your time. It was very interesting !
Das archäologische Museum in Athen wurde natürlich ebenfalls besucht (in drei Stunden hatten wir es geschafft). Hier erfahren wir, dass nebst einer antonianischen und severianischen auch eine flavianische Dynastie herrschte. Ooohhhh, wie war Flavia überrascht ! Okay, sie dauerte bloss dreissig Jahre (69 - 96 n. Chr.), aber hey, mein Name is in der griechischen Geschichte vertreten ! Des weiteren spazieren wir wieder mal den Lykabettus hoch, treffen dabei einen Churer, der ferienhalber hier weilt und geniessen dann die Abenddämmerung über Athen.
Einige Tage später dürfen wir Chris am Flughafen empfangen, hat er doch rein zufällig arbeitshalber hier zu tun. Doch wir glauben, er war sehr, sehr froh, nicht die ganze Zeit mit Griechen zusammensein zu müssen. So genossen wir eine kurze, aber bombige Zeit miteinander u. a. bei der Einladung von Adil. Er ist Receptionist der Jugendherberge und kommt ursprünglich aus dem Sudan. Die Einladung wäre schon lange abgemacht gewesen, wurde aber verschoben. Kurzerhand, nachdem endlich ein Datum gefunden wurde, lud er auch Chris mit ein. Bei Wein und feinem Lamm/Gemüse-Eintopf (Essen mit Fingern; eine ganz neue Erfahrung) geniessen wir den Abend, lachen viel und vergessen die Zeit. Adil, you're great ! Thanks a lot for your time and kindness !
Die Zeit vergeht zu schnell, der Abschied von Chris fällt uns wiederum sehr schwer. Nun warten wir nur noch auf ein Paket aus der Schweiz, dass bei der hiesigen Post wahrscheinlich nur irgendwo herumliegt. Die Zeit nutzen wir, um einen wunderschönen Ausflug an einem weiteren sonnigen Tag ans Kap Sounion zu unternehmen. Die Überbleibsel des Poseidontempel stehen hier und trotzen dem kräftigen Wind !
Endlich ist alles komplett und so fahren wir am 7. Februar bei 95'563 km weiter Richtung Türkei !
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