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24.02.2004 - km 147'504
Der kurze Flug von Auckland nach Sydney ist kein Problem. Auch die Zugfahrt in den ausserhalb der Stadt gelegenen Vorort Westmead verläuft gut. Ein grosses Glück für uns: Wir dürfen privat wohnen ! Heidi und ihre Kinder Daniel und Manuela holen uns ab: Ein herzlicher Empfang voll mit Lachen und Wärme. Was will man mehr ? ! Auch Tom lernen wir abends kennen, als er von der Arbeit nach Hause kommt. Doch viel länger als gedacht, müssen wir ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen, was uns wirklich nicht recht ist. Die Gründe sind die verspätete Ankunft des Schiffes (womit man allerdings rechnen muss), die zeitraubende Administration und Bürokratie des Zolls und der Quarantäne (andere Länder, andere Sitten) usw. Als wir nach zwei Wochen endlich unseren Tiger mit einem gemieteten Ladewagen abholen können, kommt das nächste Problem: Wegen alter Batterie fährt unser Kumpel gerade mal 25 km weit. Danach muss er zur Behandlung in die Werkstatt. Eine neue Batterie, sowie ein Voltregler für den Alternator müssen bestellt werden - und wir warten immer noch !

Zwar besuchten wir in der Zwischenzeit die charmante Stadt Sydney mit der Harbour-Brücke, dem Opernhaus, dem lebhaften Ursprungsviertel "The Rocks" (mit teurem aber schönem Markt), den pulsierenden Circular Quai, die chinesischen und königlichen botanischen Gärten und das Powerhousemuseum. Wir lauschen gebannt dem Didgeridoo-Sound des Outbacks, erkundigen uns über die Motorrad-Registration, erhaschen einen Blick in die Kopie des Tagebuches von Capitan James Cook in der lichterfüllten, edlen Staatsbibliothek und kaufen Proviant ein.
Auch Yves und Tanja, die beiden Toyotareisenden ebenfalls aus der Schweiz, treffen wir persönlich. Ein Jahr lang schrieben wir uns nur per E-Mail. Es ist sehr interessant und lustig, mit ihnen zu plaudern. Immer wieder geniessen wir auch das Spielen mit Manuela und Daniel. Da die Familie uns noch immer ihre Gastfreundschaft anbietet, helfen wir ihr denn auch gerne beim Umzug mit. Durch die lange Wartezeit hat allerdings die Reisemotivation, vor allem die von Flavia, gelitten. Naja, Reisen ist doch unser Ziel - nicht Warten !
Okay: Wahrscheinlich haben wir auch Glück gehabt, wenn man an die Geschichten über die Einreise in dieses Land von andern Reisenden denkt. Oft kann noch so gründlich geputzt werden - ist die Laune eines Beamten schlecht, bezahlt man...
Aber am 24. Februar '04 ist es dann auch hier soweit: Bei bewölktem Himmel packen wir unseren Tiger und verabschieden uns von Heidi, Tom, Daniel und Manuela. Ein herzliches Dankeschön für alles auch an euch !
27.05.2004 - km 157'729
Nach drei langen Wochen des Wartens, der Vorbereitung und der Reparatur (neue Felge, neue Batterie), können wir endlich unsere Reise in Australien beginnen. Doch der Start fällt ins Wasser: Die Blue Mountains sehen wir bei Regen, Nebel und Kälte gar nicht und dem Tiger missfällt das Wetter ebenfalls. Irgendetwas beim Zündablauf wurde nass und nun klingt unser Motorrad eher wie ein Traktor. Völlig ausgekühlt sind wir gezwungen, in Appin ein teures Motelzimmer zu nehmen, bis der starke Regen aufhört und alles wieder trocken ist. Als wir endlich weiterfahren können, besichtigen wir die, auf dem Papier geplante, etwas langweilige Hauptstadt des Landes: Canberra. Ausserhalb campen wir das erste Mal unter freiem Himmel auf einem Rastplatz. Als nächstes geniessen wir das kurvige Auf und Ab durch den bezaubernden Kosciuszko-Nationalpark (ca. 1400 m.ü.M.). Die Snowy Mountains, wie der Park ebenfalls genannt wird, besitzen mit 2228 m den höchsten Gipfel Australiens. Die Eukalyptuswälder sind sehr eindrücklich. Wir sehen auch die Vegetation nach verschiedenen Buschfeuern: Kalt und heiss.
Beim kalten Feuer brennt nur der Waldboden und somit das Buschwerk. Das heisse Feuer ist radikal und brennt alles bis in die Baumkronen nieder (=Explosion der Bäume wegen des Eukalyptusöls). Die Reise führt uns vom windigen Narooma aus an idyllischen Buchten der Südostküste entlang bis in den nächsten Staat: Victoria.
Wir sehen das erste Wallaby (kleine Känguruhart) und einen wunderschönen Leguan, der sich vor den Rädern des Tigers gerade noch retten kann. Etwas weiter treffen wir in Sale auf Peter mit seiner KTM. In Taupo, NZ, hatten wir uns kennengelernt und nun gönnen wir uns einen Drink. Durch das trockene, hügelige Gippsland mit hübschen, kleinen Dörfern und alten, riesigen Eukalyptusbäumen, gelangen wir in den Wilson's Promotory-Nationalpark und stellen da unser Zelt auf. Doch lange dürfen wir nicht bleiben: Wegen dem verlängerten (eines der vielen in Australien) Labour-Wochenende, ist der Platz völlig ausgebucht... So geniessen wir halt die kurze, verbleibende Zeit und besichtigen die gut zugänglichen, traumhaften Buchten. Wäre wirklich schön, hier für längere Zeit wandern zu gehen ! Danach machen wir uns auf den Weg nach Melbourne.
Bei den liebenswürdigen Gastgebern Annelies und Fritz dürfen wir ein paar Tage bleiben, die Wäsche waschen, Administration erledigen, duschen und angenehm schlafen. Wir erleben eine schöne Zeit mit den beiden und lernen auch Hanka und Erik aus Deutschland persönlich kennen. Schon länger hatten wir per E-Mail Kontakt. Sie sind mit einer Honda Transalp unterwegs und mit ihnen fahren wir der faszinierenden Great Ocean Road entlang zu den Grampians hoch.
Leider ist der Himmel oft stark bewölkt und regnerisch. Doch für die Besichtigung der einmaligen Felsformationen (Gibson's Steps, 12 Apostel, Loch Ard Gorge), zeigt sich die Sonne für uns. Der Grampians-Nationalpark ist ein Highlight: Auf dem Rastplatz mitten im Wald hüpfen die Wallabies uns um die Nasen und der Kookaburra lacht von den Bäumen. Die Wasserfälle (McKenzie, Silverband) sind sehr unterschiedlich wasserreich, die kurze Wanderung durch den Grand Canyon, den Silent Walk bis zu den Pinnacles absolut fantastisch, wie die Balconies-Felsen und die vielen einmaligen Aussichten. Doch bald trennen sich unsere Wege wieder. In Ararat verabschieden wir uns und wünschen viel Glück. Die Reise über die reiche Goldgräberstadt Ballarat führt uns zurück nach Melbourne, denn heute wird uns die Nachtfähre nach Tasmanien bringen. Zwar ist das Meer ruhig, doch der Schlafraum wird südpolarisch klimatisiert: Brrr ! So ist unsere erste Aktion nach der Ankunft auf Australien's Inselstaat: Zelt aufstellen und gediegen lang schlafen !
Von Anfang an gefällt uns Tasmanien ganz besonders. Zwar müssen wir zu Beginn ein bisschen vor dem Regen fliehen, doch die Landschaften, Nationalparks und Städtchen sind einfach bezaubernd ! Stanley, ein hübsches Dorf, liegt idyllisch am Fusse einer frapanten Felsform: "The nut" (die Nuss) sieht man schon von weitem. Im Arthur Pieman Conservation Park, fühlen wir uns in eine andere Welt versetzt. Trockene Vegetation, ein paar herbstlich gefärbte Eukalyptusbäume und eine rötlich, graue und wieder braune Kiesstrasse (die Great Western Explorerroad). In Waratah erleben wir unsere erste, kalte Nacht: Ein konstanter, eisiger Wind weht uns um die Nase und nichts, ausser das Verkriechen in das Zelt, kann uns aufwärmen. Cradle Mountain - ein absolutes Highlight ! Trotz Wolken, dürfen wir den markanten Berg für einen Moment mit freier Sicht bewundern. Schon die Fahrt zu ihm, durch den moosig, grünen Nationalpark hat seinen speziellen Zauber. Mole Creek, ein verschlafenes Dörfchen aus den 50ern und dem gemütlichen Campingplatz, hat es uns angetan: Zelt und Lagerfeuer am Bach, inmitten von Weiden - was will man mehr ? !
Eine warme Dusche ? Auch das gibt es hier !
Der Regen und auch die Kälte verfolgen uns. Deshalb fahren wir über Launceston, die eher langweilige Stadt, an die Ostküste. Wie schön warm ist es hier. Mit traumhaften, weissen Sandstränden werden wir belohnt. Entlang der Küste säumen immer wieder romantische Buchten die Strasse, bis wir Hobart, die Hauptstadt erreichen. Auf einem idyllisch gelegenen Campingplatz (Treasure Island), stellen wir das Zelt auf. In Tasmanien gelten die Menschen, sowie ihre Städte, als "zurückgeblieben", im positiven Sinne: Nicht wie sonst fast überall, hat die Zerstörung des raschen Fortschrittes und Massentourismus überhand genommen, sondern diesen Flecken auf Erden verschont.
Ein seltenes, fast unberührtes Stück Land. Wir machen ein paar wunderschöne Ausfahrten: Remarkables Cave, Huonvalley, Huon-Airwalk, Gordon- und den Peddarsee (zwei Stauseen). Wir lernen sympathische Menschen kennen: Mit Joel und Anita aus WA, plaudern wir und von Jane und Ray, aus Byron Bay, werden wir verwöhnt (Abendessen, Ausfahrt). Sie sind unsere Zeltnachbarn und mit ihnen haben wir es einfach gut ! Dem Tiger wird der Hinterreifen (Occasion) gewechselt. Nach langer Zeit, haben wir ein freudiges Wiedersehen mit Gail (in Athen 2002 kennengelernt), die uns fein bekocht. Mit einer Sightseeingtour durch Hobart (mit ältester Brauerei Australiens = Cascade Brewerie) trennen wir uns von der Hauptstadt.
Die Rückreise führt uns über den Mount Field Nationalpark mit seinen uralten, riesigen Bäumen, und später durch den fantastischen, alten Wald an den See St. Clair. Diese Nationalparks haben, nebst nur einer weiteren Region irgendwo in China, besonders viele Punkte auf der Liste der World Heritage Area der UNESCO erhalten. Sie gelten als uralte Zeugen aus der Gondwanazeit, als Südamerika, Afrika, Antarktika und ein Teil Asiens, mit Australien und NZ zusammengeschlossen waren. Das Waldheim-Chalet des Gründers des Cradle Mountain-Nationalparks, Gustav Weindorfer, ist ein paradiesisches Plätzchen sondergleichen. Gustav Weindorfers Geschichte berührt und in seinem Lieblingsteil des Waldes, kommt man sich wie im Märchen vor: Alles ist moosig bedeckt, ruhig, bezaubernd. Zu guter letzt trampelt seelenruhig ein Wombat über den Weg und grast vor sich hin. Auch der Tasmanien Devil (Tasmaniens seltenes kleines Raubtier des Waldes) rannte vor unseren Augen über die Kiesstrasse, wie ein schwarzer Blitz. In Queenstown bleiben wir zwei Tage hängen, aus folgenden Gründen: Es regnet in Strömen und am Hinterreifen ist an einigen Stellen bereits das Gewebe durchgefahren (hat leider nicht wie gehofft bis Melbourne durchgehalten. Aber immerhin, 1400 km weit konnten wir ihn noch fahren, wir reisen halt nur mehr, als wir jeweils denken) ! Nach langem Überlegen entschliessen wir uns: Ein neuer Satz Reifen muss her ! Marcel montiert ihn dann tagsdarauf selber. Zudem finden wir auf einem Campingplatz ein warmes, günstiges Zimmer (mit Schwarzweissfernseher). Anfangs April schaffen wir es dann doch noch, die Fähre zurück ans Festland zu nehmen und verabschieden uns schweren Herzens von Tasmanien...
In Melbourne werden wir freudig von Chris und Sally empfangen. Das seitenwagenfahrende, motorradverrückte Paar, kennt Australien sehr gut. So erhalten wir einige Tips und dürfen eine Woche bei den sympathischen Menschen wohnen. Marcel macht den Service am Tiger, wir können die Visas (gegen teures Geld) verlängern, wieder mal Wäsche waschen und die Administration erledigen. Ab und zu kochen wir Schweizergerichte und auch bekannte Reisende treffen wir hier wieder: Da ist Jason, den wir in Athen kennengelernt und zufällig in Istanbul und Varanasi wiedergetroffen haben. Er lädt uns sogar zu einem Fussballspiel ("footy") australischer Regeln ein. Als völliger Banause konnte sogar Flavia begeistert werden. Und da ist Bobby, mit der wir in NZ unter anderem beim Skifahren viel Spass hatten und nicht zu vergessen: Peter - ein guter Freund von Chris und Sally, von dem wir übrigens ihre Adresse erhalten haben. Melbourne ist eine nette Stadt, die einfache Reisende wohlig fühlen lässt. Der botanische Garten, sowie die Dandenongs (Naherholungsgebiet) sind weitere Höhepunkte. Endlich setzen wir unsere Reise fort und verabschieden uns dankend von Chris und Sally.
Bald gelangen wir nach Adelaide. Vorher überbringen wir allerdings Chris und Murray in Murray Bridge Grüsse von Ali und Mike aus NZ. Eine Nacht dürfen wir bleiben, duschen, Kleider waschen, Internet benützen und sogar das Abendessen in einem berühmten Pub wird uns bezahlt ! Die beiden wissen, was Reisende glücklich macht ! In Adelaide versuchen wir vergebens, eine unglückliche Flugticketgeschichte zu lösen, machen einige wunderschöne Ausfahrten (traumhaft: Adelaide Hills), bereiten uns auf das Outback vor und treffen Joel und Anita wieder. Nicht mehr im Zelt sondern im Wohnwagen, arbeiten sie einige Monate hier. Zusammen haben wir es lustig und wieder wird gekocht. Adelaide mit seinen vielen grünen Parks und der hübschen Stadt gefällt uns sehr (Marcel ist besonders vom botanischen Garten angetan). Doch bald müssen wir uns wieder verabschieden. Coober Pedy, und somit das Outback, ruft !
Am 25. April, dem ANZAC-Tag (Festtag) fahren wir los. Nicht aber, ohne vorher noch Weine im Barossa-Tal zu degustieren und durch die Gegend voll mit Rebbergen zu fahren.
Schon bald wird die Landschaft flach und ziemlich öde. Zu Beginn bieten die Salzseen, die faszinierend in der Sonne glitzern, noch etwas Abwechslung. Immer wieder fliegen Raben und Adler von den Kadavern, die am Strassenrand liegen, hoch. Ab und zu gibt es ein Roadhouse und Tankstellen. Wir machen Bekanntschaft mit Thomas und Nicole, ebenfalls aus Nidwalden, die mit einem Bus reisen. Endlich gelangen wir nach Coober Pedy.
In den nächsten Tagen entdecken wir die Opalhaupstadt der Welt: Die verwitterten Felsformationen der Breakaways sind atemberaubend, die Ausstellung der Opalgeschichte usw. im Desertcavehotel sehr interessant und Crocodile Harry, ein alter, ehemaliger Krokodiljäger, der mit seiner eigenen Opalmine viel Geld verdiente (und wohl wieder ausgab) bleibt ein verrückter Weiberjäger in seinem mit BH's ausgeschmückten Dugout (einer in den Felsen gebauten Wohnung). Eine Erfahrung besonderer Art, bietet uns Markus Hammermeister: Sein Vater minte bereits hier und von Markus erhalten wir Einblick in Abbau, Verarbeitung und Handel der faszinierenden Steine. Nebst seinem Dugoutverkaufsshop, dürfen wir sogar seine wunderschöne Dugoutwohnung ansehen. Mit seiner Frau Jos und zwei Hunden lebt er hier. Absolut zu empfehlen - die schönsten Opale ! Ansonsten ist die Stadt nichts Besonderes. Doch wenn man länger bleibt, lernt man so manch interessante Persönlichkeit kennen ...
Am 1. Mai fahren wir endlich los, um über William Creek weiter in die Flinders Range zu gelangen. Die Fahrt über die zum Teil grobe Kiesstrasse verläuft ganz gut. Oje, oje, oje ... Dann, auf einmal - eine laaaange Sandpassage ! Nach einer ca. 70 m langen Schleuderfahrt, bei der sich der Tiger immer wieder aufrichtet, stürzen wir ... Na, gelandet sind wir ja weich. Nur der Tiger scheint nicht so gut weggekommen zu sein: Die vordere Kiste wurde weggerissen, das Sturzgestänge unbrauchbar verbogen, der Kühlerschlauch zertrümmert und Flavia's Kiste dient wohl nun eher als Handorgel. Ansonsten alles okay, wir sind wohlauf ! Nun heisst es - warten ! Das Kühlwasser läuft ja eh aus ... Die Strasse ist nicht gerade stark befahren. Doch wir haben Glück: Nach einer halben Stunde fährt bereits ein Bus vor. Wir hätten ja auch einen Tag warten können ... Freundlicherweise wird Marcel die verbleibenden 25 km nach William Creek gefahren, so dass er von da aus dem Abschleppdienst anrufen kann. So stellen wir abends, 530.- AUD weniger in der Tasche, das Zelt wieder auf dem gleichen Campingplatz auf. Die nächsten Tage verbringen wir damit, den Transport des Tigers zu organisieren. Markus ist uns eine grosse Hilfe und wir dürfen sogar bei ihm kochen !
Was man auf einer solchen Reise alles erlebt: Nun sind wir, nach einigen Tagen mit Wind, Fliegen und Staub, als Lastwagenpassagiere unterwegs. Der Tiger wird auf einem anderen Truck nach Adelaide transportiert. Die Fahrt ist nachtsüber, wobei wir natürlich kaum ein Auge schliessen. Alle 300 km gibt es eine Pause und einmal macht unser Fahrer auch ein Nickerchen. Nur noch drei kalte Stunden und dann sind wir in Adelaide. Beim Morgengrauen, setzt uns der griechische, bisher freundliche Fahrer, mitten im Industriegebiet samt all unseren Kisten auf die Strasse. Naja, war eigentlich nicht so gedacht, dafür war die Fahrt gratis !
Da stehen wir nun wieder, per Taxi zurück, auf dem Campingplatz in Adelaide. Die kommenden Tage suchen wir ein Auto: Ganz recht ! Nach gründlicher Überlegung haben wir uns entschlossen, von zwei auf vier Räder zu wechseln. Ein Hauptgrund dafür ist Flavia: Sie mag einfach nicht mehr mit dem Motorrad zu reisen und jeden Tag mehrere Stunden mit dieser Packerei, diese Plagerei, zu verbringen ! Joel und Anita helfen uns bei der Suche und bald finden wir ein geeignetes Gefährt. Unser "Chäfer" ist eigentlich kein Käfer, sondern ein Mitsubishi Pajero 4WD. Nun heisst es, innen den Wagen reisegerecht auszubauen. Dabei sägt Marcel mit dem Taschenmesser Holzlatte um Holzlatte, schraubt und setzt zusammen.
Dann müssen noch diverse Dinge wie Matten, Bettüberzüge (=Vorhänge) und und und besorgt werden. Nach einigen Tagen sind wir fertig und stolz. Wir freuen uns sehr auf die neue Herausforderung. Doch vorher fordert der Tiger noch viel Kraft von uns: Seine Verschiffung und der Transport nach Hause müssen organisiert werden. Beim Motorradhändler erhalten wir gratis zwei Alurahmen. Darin werden Motorräder importiert. In dem einen Rahmen platzieren wir die Boxen mit Kleider, Stiefeln usw. Im andern, grösseren Rahmen findet unser Tiger Platz. Beide werden mit Karton eingefasst, zusammengeschraubt und geklebt. Anschliessend mieten wir einen Anhänger und laden die beschrifteten Boxen beim Lagerhaus ab. Gute Reise, Tiger ! Du warst ein treuer Begleiter !
Etwas wehmütig, füllen wir die Verschiffungsformulare aus und bezahlen (bis nach Zürich kostet der Transport 900.- CHF, von da in die Innerschweiz 500.- CHF). Hoffentlich klappt seine letzte, grosse Reise und unser Tiger kommt problemlos zu Hause an ... Gleichzeitig sind wir aber auch froh, dass wir nun alles erledigt haben. Der letzte Einkauf, die letzten Vorbereitungen, Abschied von Joel und Anita, die uns so viel geholfen haben.
Am 27. Mai beginnt unsere Reise mit dem Auto - eine andere Reise. Doch wir sind optimistisch !
20.08.2004 - Auto km 231'929 - 248'073
Der Ausbau unseres "Chäfers" ist fertig und die Reise mit ihm beginnt. Doch zuerst besuchen wir noch Adelaide's wunderschönen, botanischen Garten und das interessante SA-Museum. Es ist bereits dunkel, als wir auf dem uns bekannten Rastplatz in Port Augusta übernachten. Hier besuchen wir auch den Royal flying doctor service (RFDS): Eine einzigartige Institution, sehr eindrücklich.

Die Flugzeuge sind übrigens ausschliesslich PC12 Pilatusporter ! Macht uns schon ein bisschen stolz... Den Flinders Ranges-NP erfahren wir einen ganzen Tag lang und können unser neues Gefährt auf Kiesstrassen ausprobieren. Wir fühlen uns ganz wohl dabei. Der Park bietet, nebst wunderschöner Landschaft, Wanderungen an und das seltene Yellow footed rock-Wallaby soll sich ebenfalls hier herumtollen. Wir haben Glück: Nach langem Suchen sichten wir zwei Exemplare und Marcel macht sich auf die Jagd - mit dem Fotoapparat. Besonders freuen wir uns auf das Wiedersehen mit Dominic und Karin aus Thun. Sie sind mit ihrem Tandem ein Jahr lang in NZ, Australien und den USA unterwegs. In Adelaide haben wir sie kennengelernt und eine lustige Zeit miteinander verbracht. Heute werden wir zusammen die Wanderung auf den St. Mary's Peak (1171 m, höchster Gipfel des Parks) unter die Füsse nehmen. Mit einer tollen Aussicht auf die einmalige Gebirgsform (Wilpena Pound) werden wir belohnt. Die geniale Zeit mit euch haben wir sehr genossen, herzlichen Dank dafür ! Nun heisst es wieder, Abschied nehmen !
Bei regnerischem Wetter fahren wir nach Port Augusta zurück und weiter Richtung Eyre Peninsula. Port Lincoln ist die Stadt des Fischhandels und natürlich Gourmethimmel der Meeresfrüchte (Haupteinkommen: Thunfisch und Tourismus). Uns gefällt vor allem der Coffin Bay-NP: Wilde Kliffs, tosendes Meer, gewaltiges Wellenspiel. Man könnte stundenlang dieser schäumenden weissen Pracht zusehen ! Der Port Lincoln-NP ist ebenfalls sehenswert, doch eher etwas langweilig im Vergleich.
"Murphy's Haystacks" sind Felsblöcke, von der Witterung speziell geformt. Am Point Labatt gucken wir dem Tun der Seelöwen zu. Dies ist der einzige Ort auf Australiens Festland, wo diese ulkige Tiere immer wieder zum Brüten zurückkehren. Beim Cape Bauer verschafft uns furchteinflössendes, pfeifendes Zischen der Felslöcher Respekt. Auch die Landschaft ist sonderbar: Graubraune, verwehte Kliffen, wie in einem Gruselfilm. Marcel, nichts wie weg hier !
Immer wieder durchfahren wir hübsche Dörfer, meist idyllisch am Meer gelegen. Von weitem sieht man auch die riesigen, weissen Getreide-Silos und -Anlagen. Nach Ceduna und dem Yalata-Roadhouse, beginnt bereits die riesige Weite des Nullarbors (nullus arbor = ohne Baum). Vorher dürfen wir allerdings noch Wale beim Head of bight (= geschützter Marinepark) beobachten. Immer wieder gewaltig und eindrücklich ! Auch einen Bobtail Guanna (Echsenart) und den ersten Dingo bekommen wir zu sehen. Das Wildleben hier in Australien ist einfach fantastisch ! Noch nie zuvor haben wir eine solche Vielfalt gesehen.
Die Nullarbor-Ebene ist mit Buschland überwachsen. Es lohnt sich, immer mal wieder die steil abfallende, imposante Küste zu bewundern. Sie gilt als das Ende der Welt - next stop: Antarctica !
Es gibt auch sonst Allerlei zu entdecken. So zum Beispiel die alte Telegrafenstation, die langsam vom Sand und Wind zugedeckt wird. Oder die Känguruhstatue Rooey II beim Border Village. Hier durchqueren wir die Staatsgrenze Süd-/Westaustralien (SA - WA). Natürlich geht das Ganze nicht ohne Quarantänekontrolle: Keine Früchte, Pflanzen, Nüsse usw. dürfen eingeführt werden. Die Plage der gefürchteten Fruchtfliegen soll so möglichst eingeschränkt werden. Bisher warnten nur Schilder davor. Das erste Mal werden wir wirklich kontrolliert. Auch die erste Polizeikontrolle muss Marcel über sich ergehen lassen. Reine Routine: Registrationscheck, Alkoholblastest. Den Blashalm dürfen wir behalten - als Souvenir ! Wir bemerken die vielen Känguruh-Kadaver am Strassenrand. Ab und zu fliegt, nebst den vielen Raben, auch mal ein imposanter Wedgetailed Adler davon hoch.
Am 8. Juni abends kommen wir in Perth an. Was für eine Freude, Tanja und Yves wiedersehen zu können ! Sie verschiffen von hier aus ihr Auto "Hanibal" nach Südafrika. Da sie nun ohne Fahrzeug sind, chauffieren wir sie herum. Das macht Spass ! Dafür dürfen wir ebenfalls privat übernachten. Karin hat die beiden eingeladen und wir durften zum Abendessen kommen. Doch da es draussen regnet und stürmt, ist's für uns bestimmt angenehmer, gleich zu bleiben. Die Einladung nehmen wir natürlich dankend an. Und - wer hätte gedacht, dass wir mit Tanja und Yves in einem Zimmer übernachten würden ? ! Die kommenden Tage lachen wir viel, sehen Perth's Kings Park, die metropolitane Einkaufsstrasse, der hübsche, touristische London Court usw. Yves und Tanja folgen bald ihrem Auto und wir fahren sie zum Flughafen. Nun sind sie an der Reihe, sich zu verabschieden. Wir sind diejenigen, die zurückbleiben. Doch die tolle Zeit bleibt unvergesslich und wir sind dankbar dafür. See you in Switzerland !
Zwei Wochen verbringen wir in der romantischen Gegend des Südwestens: Weingute, hügelige, grüne Landschaften (Margaret River), idyllische Dörfchen, herrliche Strände und Küsten. Im Valley of the giants lernen wir mehr über Karri- und Red Tingle-Bäume. Die ehem. Feueraussichtsbäume kann man besteigen und danach spürt man Muskeln, von denen man vorher gar nichts gewusst hat. In Esperance müssen wir den ersten, obligaten Autoservice machen lassen und erfahren, dass der Zylinderkopf gerissen sei. Der Preis ist ein Schock. Nun sind auch wir "reingefallen", wie so viele Reisende vor uns. Ein tiefes, finanzielles Loch ist die Folge...
Trotzdem, das Leben geht weiter: In Kalgoorlie schnuppern wir den Duft des Goldes (Museum of the Goldfields), bestaunen die grösste, offene Goldmine des Landes mit Sprengung (Super-Pit) und werden auf dem historischen Goldgräberfriedhof in Coolgardie nachdenklich (oft nur ein Nummernschild, keinen Grabstein). Das Wetter spielt mit und die Sonne scheint, abgesehen von ein paar wenigen Regentagen. Wieder zurück in Perth, dürfen wir eine ehemalige Schulkollegin von Flavia und ihre Familie besuchen. Vergebens habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen und nun ist sie tatsächlich hier - und ich bin nervös. Eine Weile geniessen wir die Gastfreundschaft, das Spiel mit dem 13 Monate alten Töchterchen und die vielen, guttuenden Gespräche. Der Abschied fällt uns schwer... Auch euch herzlichen Dank für alles.
Pinnacles - eine Landschaft in einer Halbsandwüste mit unzähligen langen und kurzen Säulen aus Kalkstein. Zwischendurch fahren wir auch mal auf Sandhügel.
Im Kalbarri-NP kommen wir auf den Geschmack der Welt der Schluchten und Farben und in Monkey Mia schwimmen die Delfine nahe am Ufer um die Wette. Shark Bay bietet einen langen Strand mit einer bis zu 10 m tiefen Muschelschicht (kleine, weisse Muscheln), natürlich gepresste Muschelblöcke, welche heute noch zur Erhaltung von historischen Gebäuden abgebaut werden und den Francois Peron-NP mit tiefsandigem 4WD-Track. Leider regnet es, als wir in Coral Bay ankommen. Und hier soll doch der beste Schnorchelspot an einem der schönsten Korallenriffs der Welt liegen: Dem Ningaloo-Riff. Zum Glück scheint am nächsten Tag die Sonne und, nachdem wir Flossen besorgt haben (ja, ja, die gehören dazu !), können wir loslegen: Tatsächlich bietet sich eine farbige Fischwelt, diverse Korallenformen, schwimmt mal eine Schildkröte oder ein Rochen vorbei. Auf dem 4WD-Track fahren wir den Cape Range-NP hoch, bestaunen Muscheln und sehen gar die Rückenspitze eines kleinen Hai's - vom Ufer aus. In Exmouth gibt's, nebst dem Schiffswrack SS Mildura, nicht viel zu sehen. Also fahren wir noch einmal zur Coral Bay. Und - es regnet halt immer noch. Ab ins Landesinnere !
Beim Karijini-NP begeben wir uns wieder in die Schluchtenwelt, baden in den tiefen Pools mit kühlem Wasser, bewundern die Felsformationen und die grüne Vegetation. In Broome, der Perlenhauptstadt, gefällt uns die Atmosphäre sehr. An der Cable Beach schwimmen wir jeden Tag im frischen, klaren Meer und geniessen die Sonne auf dem weissen Sandstrand. Erfrischendes Meereswasser, einmal sogar mit Mushroom (Pilz)-Quallen garniert (sehr gut sichtbar, also nicht so tragisch). Perlmutter, Schmuckstücke und Perlen sind natürlich faszinierend - und teuer ! Die Herstellung der Kostbarkeit sehen wir auf einem Video, eine Tour kostet ein Vermögen. Wir treffen hier auch andere Reisende wieder (Christine, Phil, Melanie) und haben eine lustige Zeit miteinander. Die "Treppe zum Mond" ist ein Naturfänomen: Der aufgehende, anfangs orangefarbene Vollmond wirft seinen Schimmer über die rauhe Watteoberfläche. Die "Treppe" wird breiter, die Farbe ändert sich über Gold zu Silber.
In Derby sehen wir den Buob(Flaschen)-Gefängnis-Baum, in welchem Aboriginas vorübergehend eingesperrt wurden. Wir holen auch Infos über die Gibb River-Road ein: Die berühmte Kiesstrasse führt uns durch die eindrückliche Landschaft der Kimberleys. Wir sehen Wasserfälle, wandern in den Schluchten und beobachten Frischwasser-Krokodile ("Freshies", ungefährlich).
Die Strasse ist okay, mit einigen Löchern und Waschbrett. Die idyllischen Bell- und Emma-Schluchten sind die Highlights, eine absolute Augenweide. In Wyndham sehen wir nicht nur ein uebergrosses Krokodil aus Beton, sondern haben einen perfekten Ausblick auf den Cambridge-Golf: Hier treffen sich die grossen Flüsse Ord, King und Durack. Und wir treffen Matthias und Andreas aus der Ostschweiz. Mit einem Landcruiser, Angelruten und Surfbrettern sind sie aussigerecht ausgeruestet und unterwegs. Bei einem feinen Risotto und Musik lernen wir sie besser kennen und haben's lustig miteinander. Während sie dann den noch lebenden Fischen nachgehen, machen wir uns auf den Weg zum Bungle-Bungle-NP; zwar nicht gerade am Weg, doch sehr lohnenswert. Die Strasse ist ein echter 4WD-Track: Tiefe Gräben, Bachdurchfahrten, grosse Steine. Eine Herausforderung mit viel Spass !
Auch unser "Chäfer" hält durch und bringt uns sicher und ohne Plattfuss ans Ziel: Der Bungle Bungle-NP ist für seine Gesteinsschichten bekannt; doch er bietet noch viel mehr: Mini-Palmen in ziegelroter Schlucht, runde, abgetragene Felsen und eine kathedralähnliche Schlucht. Die Szenerie wird von Blumendüften, vom Geruch des Bienenwachs und von Thymian begleitet. Einmalig, wunderschön ! Nachdem wir den Argyle-Stausee gesehen haben, überraschen wir Ray (siehe Hobart) auf der gleichnamigen Farm. Schön, ihn zu sehen !
In Katherine lernen wir Peter und Ruth, ebenfalls aus der Schweiz, kennen und verbringen eine lustige Zeit. Endlich kommen wir in Darwin an: Flavia hat vorläufig die Nase voll von Nationalparks und holprigen Kiesstrassen. Da tut die Abwechslung gut. Ausserdem gibt es so viel für uns zu erledigen in dieser kleinen, hübschen und jungen Stadt (Zyklon Tracy 1975): Autoservice, neue Reifen, Pakete abschicken, Einkauf und Vorbereitung für die Weiterreise (da soll noch jemand behaupten, wir machen ja nur Ferien !). Zudem lernen wir Lukas und seine Eltern Peter und Marlies kennen. Von der Schweiz ausgewandert, leben sie bereits seit ca. 20 Jahren in Australien. Lukas ist ein junger, talentierter Schlagzeuger, der in verschiedenen Bands mitspielt. Wir hören ihn zusammen mit "Em Dee" (Didgeridoo) und sind vom Sound begeistert. Wir dürfen sogar, als Gäste, einen Konzertabend in "the kitchen" (schüürmässig) miterleben: Geniale Musik und für Flavia - endlich wieder mal tanzen ! Die kommenden Tage haben wir absolut den Plausch und fühlen uns rundum wohl hier.
Die Casuarina-Beach ist der Hauptstrand, doch die Mindil-Beach ist nicht weniger romantisch. Absolut sehenswert ist der gleichnamige Markt mit Handwerk, Musik, Wahrsagern und Essenständen aus aller Welt. Auch ein Besuch im Museum (u. a. Quallenarten, giftige Tiere Australiens) lohnt sich.
Dominic und Karin treffen wir ebenfalls noch vor dem Abflug in die Staaten. Dankend nehmen wir ihre Tips betreffend der Reise in das Zentrum entgegen. Good luck and see you in Switzerland aswell ! Auch Jane (Ray's Frau) überraschen wir am Flughafen. Es tut gut, mit ihr zu plaudern. Wer weiss, vielleicht treffen wir sie und ihren Mann wieder an der Ostküste ? Wäre einfach bombig !
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