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06.06.2002 - km 108'364
Eines ist sicher in Pakistan: Die Landschaften sind wunderschön, die Menschen freundlich und hilfsbereit; ihre Kultur allerdings, ist total gewöhnungsbedürftig !
Abends kommen wir im Grenzort Taftan an und übernachten in einem teureren Hotel ohne Elektrizität aber mit vielen kleinen Viechern im Brunnenwasser...
Die Reise, bei Temperaturen um die 40°C, geht durch die Wüste mit vielen Sandverwehungen auf der Strasse, Geröll und einigen Tierskeletten. Früh starten, Wasser trinken und Pausen machen die Fahrt erträglich. Leider haben wir unsere Pakistanreise mit einem grossen Fehler begonnen: Wir tranken je zwei Gläser einheimisches Wasser... und das war's schon ! Ca. eine halbe Woche lang liegen wir flach bzw. stehen auf dem Stehklo. In Quetta haben wir deswegen Zeit, uns an die ganz andere Kultur zu "gewöhnen": Marcel tut sich damit nicht so schwer wie Flavia. Auf der Weiterfahrt sehen wir viele Nomadenzelte und die abwechslungsreichen Landschaften bezaubern. Freie Tierhaltung, Backsteinfabriken (handmade), grüne Flächen wechseln mit Geröllfeldern ab. Nach dem Abstieg des kleinen Gebirgszuges Sulaiman führt uns die Reise entlang der fruchtbaren Punjabebene. Tiefe Lage und heisse Temperaturen (bis 45°C) begünstigen das Wachstum von Palmen, Weizen usw. Dromedare ziehen riesige Karren, Esel sind allgegenwärtig und Strohbehausungen gibt's auch. In Peshawar wird wieder mal Wäsche gewaschen, das Internet gecheckt und die enttäuschend hässliche Altstadt besichtigt.
Um ins Chitraltal zu gelangen, müssen wir den Lawarai-Pass (ca. 3000 m.ü.M.) überqueren. Es läuft auf der rumpligen Naturstrasse recht gut; Schnitt pro Stunde: 10 km. Besonders die Flussdurchfahrten haben's in sich. Flavia stirbt immer mal wieder hintendrauf, während der Tiger kraftvoll herumtänzelt. Naja, nach einer Weile hat auch sie sich daran gewöhnt.
Wir erreichen Chitral, ein Städtchen umgeben von mächtigen Bergzügen. Von hier fahren wir per Jeep ins Bumburait-Tal, wo die Kalash-People daheim sind. Das Frühlingsfest steht vor der Tür: Mit den typischen Trommelklängen und den farbigen Trachten (Alltagskleidung) der Frauen. Es ist faszinierend und beeindruckend zu sehen, wie das Volk lebt. Doch eigentlich ist der Stand sehr primitiv: Die Wohnungen bestehen aus einem einzigen schwarzen, russgefärbten Raum mit Betten rundherum und einem Ofen (worauf gekocht wird) in der Mitte. Der Naturboden ist dankbar und schluckt alles: Spucke, Teeresten usw. Das Fest ist zwar sehenswert, doch nach einer Weile werden die einfachen Trommelschläge und Tanzschritte gar langweilig.
Die Reifen am Tiger werden gewechselt: Der Stollenpneu muss seinen Dienst antreten. Das nächste Abenteuer steht bevor: Die Fahrt über den 3800m hohen Shandur-Pass.
Doch genau nach einem Jahr und auf 2500m Höhe lässt uns der Tiger zum ersten Mal im Stich ! Nach einer Pechserie von drei "Umkippern" brennt doch prompt die Kupplung durch und nichts geht mehr. An der ungünstigsten Stelle bleiben wir stehen. Nur mit Hilfe von sechs Männern kriegen wir den Tiger aus dem tiefen, wasserumspülten Schotter den steilen Anstieg hoch auf ein Seitenplätzchen. Nach drei Stunden Ausruhen und Rumsitzen müssen wir selber Hilfe holen: So zieht Marcel los und findet Hilfe bei der 5 km entfernten Bauequipe. Sie helfen uns, den Tiger zurückzustossen. So können wir in ihrem Camp in Sicherheit unser Zelt aufschlagen und übernachten. Es wird sogar ein Jeep organisiert, der uns zu einem guten Preis nach Gilgit fährt. Am nächsten Morgen beginnt das Abenteuer neu: Unser Tiger findet gerade so knapp Platz auf dem Auto. Festgezurrt und pakistanisch schlecht montiert fahren wir los.
Die Strasse hat einige sehr heikle Passagen aufzuweisen, denn bei jeder Steinlawine, die sich darauf parkiert hat, wird darübergefahren (wäre ja zuviel Arbeit, das Wegräumen). Hin und wieder muss der Motor mit Wasser abgekühlt, bzw. der Kühler aufgefüllt werden. Ca. alle 20 km binden sie den Tiger neu an bis es Marcel reicht: Er nimmt die Sache selber in die Hand ! Ahh, jetzt hält es !
Die unbeschreiblich schöne Landschaft entschädigt für die holprige, anstrengende Fahrt. Abends sind wir alle erschöpft und als ein "Hotelzimmer" ohne Toilette ins Visier genommen wird, rastet Flavia aus. Endlich wird ein einfaches Zimmer mit WC gefunden (es muss ja kein Luxus sein !). Beruhigung nach gutem Essen und Cola ! Am nächsten Morgen ist die Stimmung zwischen uns immer noch getrübt, bis wir zwei weisse Tauben von der Strasse vor uns zusammen aufsteigen und davonfliegen sehen. Bis jetzt ist uns in dieser Gegend keine einzige Taube aufgefallen...
Nach einer Fahrt von 16 Stunden durch Berg und Tal, Schluchten und auf halsbrecherischen Kurven, gelangen wir endlich nach Gilgit. Hier haben wir alles was wir brauchen: Einen supi Campingplatz, Internet, Mechaniker und Leidensgenossen aus Österreich. Zusammen lernen wir: In Europa darf man nicht in, in Asien niemals aus den Werkstätten gehen ! Das österreichische Paar hat seit über sechs Wochen mit dem Motor bzw. der Oelpumpe ihres Dodge-Mercedes-Motors zu kämpfen. Pakistan kennen sie vor allem aus den Werkstätten. Sie versorgen uns jeweils mit den neuesten Berichten aus der Kaschmirregion, wo es politisch wieder zu kriseln begonnen hat. Nach einer Woche kann die neue Kupplung, dank Unterstützung von Freunden, eingebaut werden. So können wir nach zwei wunderschönen Wochen das friedliche Städtchen Gilgit (ehemalige Handelsstadt an der Seidenstrasse) und nach vielen, vor allem abendlichen Diskussionen mit dem österreichischen Paar, verlassen. Der Karakorum-Highway führt uns nach Islamabad, wo wir nach einem anstrengenden Drei-Tage-Büro-Lauf endlich bereit sind, unsere vom September vorgezogenen, geplanten Ferien anzutreten. Wir müssten ja sowieso warten, bis die indische Grenze wieder geöffnet würde...
So besteigen wir am 6. Juni um 15.30 Uhr Ortszeit das Flugzeug nach Karachi, wo uns nach Mitternacht die Swiss Air Lines freundlich empfängt und sicher wie auch angenehm über Dubai nach Zürich fliegt. Leider mussten wir aufgrund der immer schlechter werdenden News den Plan ändern. Die Entscheidung war richtig: Es ist herrlich, wieder daheim zu sein und Familien und Freunde wiedersehen zu können !
Seit einiger Zeit sind wir sozusagen auf Schocktour und überraschen so manchen ! Während der Tiger auf einem sicheren Platz in Islamabad auf uns wartet, geniessen wir "Ferien von den Ferien" und hoffen, dass die Reise anfangs Juli nach Indien wieder weitergeht. Inshallah !
30.07.2002 - km 108'420
Nach einem wunderschönen, unvergesslichen Monat daheim, während dem wohl das beste Wetter des Jahres herrschte, fliegen wir wieder zurück. An den Flughäfen gibt's keine Probleme, jedoch in Karachi angekommen suchen wir vergebens eine Infostelle. Mitten in der Nacht finden wir mit Hilfe eines Taxifahrers eine angenehme Bleibe. Karachi ist eine typisch pakistanische Grosstadt mit Unmengen von Dreck, Abbruch- und Luxushäusern, vielen Bettlern und Buisnessleuten, zur Akklimatisation eignet sie sich aber allemal. Das Mausoleum des Gründers von Pakistan, "Quaid-e-Asam" M. A. Jinnah, liegt in einem riesigen, mit Blumen und Wasseranlagen geschmückten Park. Von aussen imposant anzusehen, bietet es innen nichts Besonderes. Der Zoo, als nächste Station, ist mehr ein Tierquälereigarten als ein erfreulicher Platz für die animalischen Genossen. So sind wir rasch wieder draussen und geniessen am Strand des arabischen Meeres einen ca. 30 min. Kamelritt. Ausser ein paar badenden Männern tummeln sich hier Souvenirverkäufer, Familien, Pferde- und eben Kameltreiber.
Endlich können wir, am frühen Morgen, nach einer halsbrecherischen Taxifahrt durch die noch leeren Strassen, das Flugzeug nach Islamabad nehmen. Hier finden wir denn auch unseren Tiger unversehrt vor. Islamabad hat mehr mit einer amerikanischen Schachbrettstadt gemeinsam, als mit Pakistan. Als Dankeschön übergeben wir dem Guesthouse-Besitzer (bei dessen Haus der Tiger parkiert war), ein Souvenir; er im Gegenzug überreicht uns das bestellte Paket mit Filmen und eine horrend hohe Zollgebühren- Quittung (fast so hoch wie der Wert des Inhaltes) ! In dieser Hauptstadt bereiten wir den Tiger auf die Weiterreise vor, lassen ein Zusatzheckgestänge montieren, besichtigen den hübschen Rosen- und Jasmingarten, die Schwesternstadt Rawalpindi (wieder landestypisch) und rennen vergebens wegen der hohen Zollgebühr unmher. Diesbezüglich können uns auch die freundlichen Angestellten der CH- Botschaft nicht helfen. Zuletzt wird uns als Tüpfelchen auf dem i, noch die APS-Kamera gestohlen ! Man kann entweder Glück oder Pech haben, jedoch ist beides nicht beeinflussbar mit Vorbereitung usw. Die Ironie: Nun sind wir stolze Besitzer von APS-Filmen ohne Kamera !
Lahore ist die letzte pakistanische Station. Die Stadt beherbergt einige sehr schöne (zumindest von aussen) backsteinrote Gebäude aus der Kolonialzeit. So auch das Nationalmuseum, welches viele wertvolle Exponate besitzt. Deren Pflege und Aufbewahrung lassen allerdings mehr als nur zu wünschen übrig, schade ! Im Lahore-Fort beeindrucken uns vor allem die wunderschönen Steinintarsien (mit Lapislazuli, Goldstein usw.). Am wohlsten fühlen wir uns in "Freddy's Cafe", einem excellenten Familienrestaurant. Doch pakistanisches Essen bleibt einfach Geschmackssache ! Zudem machen wir in der billigen Jugendherberge Bekanntschaft mit ein paar Kakerlaken.
31.08.2002 - km 108'790
Am 30. Juli nehmen wir die nächste Grenze ein. Endlich, Indien: Wir sind da ! In Amritsar, nach ca. 2 Std. "Grenzarbeit", machen wir Halt. Mrs. Bandari's Guesthouse ist der absolute Hit: Alles ist im englischen Kolonialstil gehalten. Es gibt sogar einen Swimmingpool, eine richtige Oase, die man auch kräftig bezahlen muss. Hier allerdings treffen wir auch voller Freude das österreichische Ehepaar wieder, das mit ihrem alten, kurligen Fahrzeug unterwegs ist.
Zusammen dürfen wir eine kurze, genussvolle Zeit erleben. Danke Ihr zwei, wir werden uns bestimmt wiedersehen ! Zu den Temperaturen: Die liegen leider immer noch um die 40°C. Was uns besonders zu schaffen macht, ist jedoch die hohe Luftfeuchtigkeit. Der Goldene Tempel der Sikh's ist ein absolutes Muss. Die hl. Pilgerstätte ist sehr offen gebaut: Mit weissem Marmor und einem langen, quadratischen Gang um den hl. Pool des Nektars. Darin waschen sich die Gläubigen, trinken davon und erfreuen sich der grossen Karpfen, die tüchtig mittrinken. Der Tempel ist ganz in Gold gehalten und im Innern schmücken Blumen und samtene Tücher die hl. Schriften. Rundherum sitzen Sikh's singend, betend und musizierend. Eindrücklich, die Toleranz Fremden gegenüber und überhaupt die ganze, freundliche Atmosphäre. In McLeod Ganj, 10 km oberhalb Dharamsala und der offizielle Exilort der Tibetaner und Wohnsitz des "HH Dalai Lama", campen wir auf ca. 1200m Höhe. Und wer steht da auf dem Parkplatz der Hotelanlage ? Ein altes, lustiges blaues Fahrzeug mit Kennzeichen "A".
Leider ist der Boden des Hotelgartens nicht sehr trinkfreudig und so muss Marcel einige Gräben rund um das Zelt ziehen. Dem Regen gefällt es nähmlich einfach zu gut hier und so gibt es nie lange Sonnenpausen. Trotzdem gefällt uns dieser Hill Resort sehr. Die Atmosphäre von Tibetern und Dalai Lama beeinflusst, ist fast mystisch und etwas ganz Neues für uns. Einziger Nachteil: Kommerzialisierter Tourismus und neureiche Hippies die sich den ganzen Tag mit Opium (vor allem im 2 km entfernten Bhagsu) zudröhnen. Allerdings sind das gut bewachte Anwesen des Dalai Lama, die betenden Tibeter (ganzer Körper wird dabei bewegt), der Tsuglagkhang- (wichtigstes buddhistisches Monument in McLeod Ganj) und der gegenüberliegende Mandala Kalachakra-Tempel, die Gebetsrollen und Butterlampen sehr beeindruckend, ja sogar überwältigend.
Nach einem langen Spaziergang entdecken wir auch die ganze Administrations-Liegenschaft der Exiltibeter und Paviane, die einen Opferstock auseinandernehmen ! Sehr spannend sind die Gespräche mit Gary, Damian und Dominic, drei Engländer auf ihren Africa Twins unterwegs. Ihre Wurzeln haben sie in Südafrika und sie fahren in einem Jahr von England nach Australien. Thanks a lot to you guys, for the short, but interesting time. See you again !
Die imposante Fahrt durch das üppige, grüne, hügelige Kangra-Tal, führt uns auf kurviger Strasse, vorbei an lachenden Kindern. Kleine Siedlungen sind in die Hänge gebaut, Vögel aller Farben fliegen um die Wette. Die Strasse hat so ihre Tücken: Nach Bodenwellen und Schlaglöchern folgen Strassenabschnitte, Natur pur. Das Schlimmste: alles ist nass ! Doch Marcel und der Tiger manövrieren uns problemlos über Stock und Stein, bis wir abends Mandi erreichen. Die Stadt ist nichts Besonderes, nur ein Verzweigungspunkt von Dehli nach Dharamsala oder Manali. Doch hier finden wir die absolut beste Unterkunft für die Reinigung unseres Zeltmaterials und dessen Trocknung.
Am sonnigsten Tag machen wir einen Ausflug ins Kullu-Tal, nach Manali. Auf kurviger Strasse geht's an Apfelplantagen und kleinen Dörfern vorbei. Old Manali ist zum Glück noch ursprünglich erhalten, mit seinen typischen Holzhäusern als ein Bergdörfli im Himachal-Gebirge. Hier auf gut 2000 m.ü.M., gedeihen die besten Genussmittelpflanzen. Per Zufall dürfen wir einer Zeremonie beiwohnen: Eine Gottheit wird vom Manu Mahanshi Tempel zum nächsten Gotteshaus getragen, mit Tanz und Musik. Hier trifft man auf viele Enfield-Touris und Junkies. Trotzdem geniessen wir den mehrstöckigen, völlig aus Holz gebauten Dhungri-Tempel mitten in einem Wald uralter Bäume und ein feines Essen im "Johnson's Cafe". Die Zeit vergeht wie im Flug, so müssen wir die Heimfahrt antreten. Doch ca. 30 km vor dem Ziel fangen wir unseren absolut ersten Plattfuss dieser Reise ein. Rostiger Schraube sei Dank ! Nach 1 1/2 Stunden können wir wieder losfahren, einziges Problem, es ist dunkel geworden und die Trucks fahren noch immer. Fix und foxi erreichen wir unser Hotelzimmer und sind froh, heil angekommen zu sein.
Shimla, auf 2000 m.ü.M., erreichen wir nach einer Fahrt durch den Himachal Pradesh District. Mais-, Reisfelder, die Düfte des Milchtee's sowie der verschiedenen Joints und auch anderer Kräuter (Minze/Melisse), die Blumenfarben Gelb, Rot Orange, Grün und Blau prägen die Landschaft. In Shimla gibt es meistens keinen Aufzug, sondern jede Menge Träger. Die Stadt liegt an den Flanken rund um eine Bergspitze. Der Hauptteil ist verkehrsfrei, was uns bei der Hotelsuche einige Schwierigkeiten bereitet. Der englische Kolonialstil dieses Kurortes gestaltet ein schönes Stadtbild. Die Rundsicht in die Berge, mit der wir bei der Abfahrt belohnt werden, ist phantastisch. Wie schon in McLeod Ganj, kreisen auch hier die Adler majestetisch in den Lüften. Am Unabhängigkeitstag, den 15. August, fahren wir in die zum Teil überschwemmte Ebene des Uttar Pradesh Districts. An solchen Tagen ist der sonst schon verrückte Verkehr noch chaotischer.
Acht Unfälle passieren wir, ehe am frühen Abend die Einfahrt in Delhi fast ohne Verkehr verläuft ! In der Jugendherberge quartieren wir uns ein, die Angestellten sind zwar etwas unfreundlich, dafür geniessen wir gratis einige Yogalektionen. Tina, eine Italienerin, Adav, eine nordostindische Studentin und Arne aus Deutschland begleiten uns in dieser Zeit.
Hey Tina, Adav and Arne: You was great, thank you so much ! Tiger waschen, Reifen wechseln, Sightseeing sind angesagt. Unbedingt zu empfehlen sind der Bahai-Tempel, in der Form einer Lotusblüte, das Gandhi-Memorial und -Museum und der Connaught Place mit hübschen Cafe's wie das "Barista" oder "Cafe Day". Das Nehru-Haus und -Museum (Jawaharlal Nehru war der erste Präsident nach der Trennung Indiens und Pakistans 1947) ist ein Geheimtipp. Auch das
India-Gate
und sein Park sind eindrücklich und eine Augenweide.
Nach 12 Tagen geht's endlich weiter. Im Yogazentrum Rishikesh herrscht auf der Ostseite des Ganges (wo viele Ashrams = Wohngemeinschaften liegen) eine entspannte, friedliche Atmosphäre. Auf der Westseite befindet sich das eigentliche Geschäftszentrum mit dem Basar: Nichts Spezielles ! Das Schönste allerdings, sind die noch in freier Wildbahn lebenden Pfaue. Sie begegnen uns während der Walddurchfahrt auf der Ostseite. Die abendliche Gebetszeremonie am Triveni Ghat ist eindrücklich: Ahndächtig werden Blütenboote mit Kerzen, für ein langes, gesundes Leben und Glück, in den Ganges gegeben. Haldwani ist die vorläufig letzte indische Station, bevor wir an einem sonnigen Tag am 31. August in Nepal einfahren.
30.09.2002 - km 112'508
Yeah, Nepal ! Mann, ist das ein Grenzübergang: Richtige indische Inkoordination. Mal ein Wäldchen, mal ein Häuschen, mal ein Kanal und dann eine Naturstrasse mit ein paar zollamtlichen Gebäuden auf der rechten Seite. Effizienz ist ein Fremdwort, Tipex-Korrektur-Lösung umso weniger. So dauert die Zollabfertigung 1½ Stunden. Auf einer kurvigen Schotterstrasse mit etappenweiser Asphaltierung, gelangen wir auf die nepalesische Seite und werden sofort sehr freundlich empfangen. Hier begegnen uns auch zwei italienische BMW-Motorradfahrer, die auf dem Weg nach Delhi sind. Mit einer Gruppe fuhren sie durch Pakistan, ins Tibet nach Nepal. Den witzigen Wortwechsel müssen wir kurz halten, da wir zu spät dran sind. Infoeinholung (Bardia N. P.) und los geht's !
Die Strasse (East-West-Highway) ist sehr gut und so kommen wir auch schnell vorwärts. Auf der linken Seite im Hintergrund das Himalayagebirge, im Vordergrund üppig grüne Äcker und Reisfelder, Frauen mit bunten Kleidern (vor allem pink und rot) und ebenso farbenfrohe Prozessionen (Krishna-Geburi). Es tut verdammt gut, hier zu sein und wir freuen uns riesig auf die Entdeckung des Landes ! Zwei Stunden später erreichen wir den Bardia N. P. bzw. dessen Abschrankung davor. Doch wir sind zu knapp dran und wegen der Dämmerung wollen uns die jungen Militaristen nicht mehr passieren lassen. Nach einer kurzen Diskussion, dürfen wir doch durchfahren, da ja unsere Übernachtungsgelegenheit erst auf der andern Seite des Parks liegt. Was wir allerdings nicht wissen ist, dass dank viel Regen in den Bergen, ein breiter, ca. 60 cm tiefer Fluss in der Parkmitte die Strasse überquert. Anhalten, analysieren und dann volles Rohr durchfahren ! Der Tiger ist sooo kraftvoll... und die Stiefel sooo nass ! Gott sei Dank geht alles gut; dem indischen PW-Fahrer nach uns jedoch steht das Glück nicht so zur Seite. Marcel hilft ihm mit Anweisungen und bald können der Fahrer und seine Familie weiterfahren. Da es bereits dunkel ist, verpassen wir den Abzweig zum Hotel und fahren stattdessen im nächsten Dorf ein. Sofort werden wir wieder belagert (für uns keine Neuigkeit mehr), dieses Mal von Familien. Eines ist klar: Wir müssen hier übernachten, eine Weiterfahrt wäre zu riskant. Das Hotel ist primitiv, das Essen halbwegs kalt, schmeckt aber und die Familie ist freundlich - und zum Preis von 5 US$ kann man nichts sagen. Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Zweite Flussdurchfahrt, Naturstrasse durch Bauerndörfli, vorbei an winkenden Kindern ("bye, bye"), ein Stück im Dschungel, Holperpiste runter und über eine kleine Brücke. Wir sind da: Im "Bardia Natural Park Resort" quartieren wir uns ein. Wow, morgen wird der Dschungel gestürmt ! !
Zu Fuss mit einem Führer und dem Resortangestellten, marschieren wir früh morgens los. Nebst Rotwild und Pavianen, entdecken wir bald Fussspuren von Elefanten und einem Tiger. Die Wanderung ist anstrengend, nicht zuletzt wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Elefanten aus der Ferne, Krokodile am Fluss, eine Wasserschildkröte, Vögel, Raupen und Blutegel bescheren uns einen interessanten Tag. Unvergesslich bleibt der Geruch eines Tigers und das gleichzeitige Alarmgeschrei der Affen: Die Raubkatze muss ganz nah gewesen sein !
Auf derselben guten Strasse fahren wir nach Butwal, einem kleinen Provinzstädtli. Es ist Ausgangspunkt für den Besuch der Geburtstätte Buddha's. Lumbini ist ein Platz mit Klöstern, die verschiedene Länder (Thailand, China, Myanmar usw) hier erstellt haben.
Die Geburtstätte selber besteht aus dem eher düsteren, ca. 200 Jahre alten Maya Devi-Tempel (Maya=Buddha's Mutter), archäologischen Ausgrabungen, dem hl. Pool (in dem sich Maya vor der Geburt gewaschen haben soll, der heute aber eher wie ein moderner Swimmingpool aussieht) und dem mächtigen Geburtsbaum, an dessen Ästen sich Maya während der Geburt festhielt. Alles in allem, macht uns der Baum am meisten Eindruck. In Butwal lernen wir Malcolm und Chris, ein Paar aus NZ, seit zwei Jahren mit den Fahrrädern von England nach NZ unterwegs, kennen. Die beiden sehen wir schon zum dritten Mal unterwegs, doch erst hier, im gleichen Hotel sprechen wir miteinander.
Auf 1400 m.ü.M. geniessen wir den Frieden und die Idylle in Tansen.
Von hier dürfen wir einen einwandfreien Blick auf das Annapurna-Massiv (7000, 8000er) erhaschen und auch Nepal's Hausberg, der Dhaulagiri (8167 m) zeigt sich im Schneekleid. Ein phantastisches Plätzchen, dieses Tansen ! Pokhara ist die nächste Station. In einem familienbetriebenen Gästehaus mit Garten (Kaffeebäume, Papaya- und Bananenpalme, Ginseng usw.) und weissem Wuschelhund genannt "Pitu", finden wir Unterschlupf. Zufällig treffen wir auch hier Renate und Andreas wieder, mit denen wir in McLeod Ganj kurz das Vergnügen haben durften. Mit ihnen, Pierre aus Basel (immer wieder in Nepal und Indien unterwegs) und Andy und Marcus aus Deutschland (sie wandern mit ihrem Truck "Maggie" nach NZ aus) haben wir es sehr, sehr lustig und einfach schön ! Ausserdem liegt Pokhara ebenfalls vor dem Annapurna-Massiv und friedvoll am Fewa-See. Die Stadt ist halt dicht bevölkert, doch der Devi-Wasserfall (nach einer verunglückten Schweizerin benannt) etwas ausserhalb, gefällt uns sehr. Das Nass fällt tosend in die Tiefe und verschwindet im Dunkel des kleinen Höhlendurchganges. Die Feierlichkeiten des "Teej"-Festivals, bei dem Frauen kochen, ihren Geburtsort besuchen, gefastet, gesungen und getanzt wird, sind wie so oft farbenfroh und sehr familiär. Mit einem Beispiel lässt sich der Unterschied der indischen zur nepalesichen Mentalität erklären: Beide Länder sind hinduistisch. In Indien wird eine Witwe von der Gesellschaft geächtet, wenn sie nicht ihrem Mann in den Tod folgt. Im Alter von ca. fünf Jahren wird ein nepalesisches Mädchen mit einem Baum verheiratet. So ist sie im Falle des Todes ihres späteren Mannes noch immer mit dem Baum verheiratet und deswegen nicht wirklich eine Witwe.
Einen gemütlichen "Hörnlisalat"-Abend mit Andreas und Renate müssen wir wegen plötzlich aufkommendem Sturm fluchtartig mit unseren gemieteten Fahhrädern abbrechen: Sand in den Augen, Dunkelheit da Stromausfall und Löcher in der Strasse. Wie sind wir froh, heil im Gästehaus anzukommen ! Mit neuen Tramperrucksäcken (für das praktischere Transportieren des Top Case-Inhaltes) machen wir uns auf den Weg nach Kathmandu. Bisher schien meist die Sonne, ab und zu mal stürmte es oder Wolken bedeckten den Himmel. Doch der Regen (der Monsun startet spät dieses Jahr) sollte uns in Nepal's Hauptstadt einholen...
Die Passstrasse nach Kathmandu ist kurvig, der Ausblick wunderschön, der (vorwiegend Lastwagen-)Verkehr stockend und höchst mühsam. Am Strassenrand nehmen wir kleine Überdachungen wahr, unter denen Kinder, Frauen und Männer das Flussgestein zu Kies und Schotter für den Strassenbau zerkleinern. Auch das ist anstrengende Handarbeit, wie so viele Berufe und Tätigkeiten in diesen Ländern. Endlich kommen wir nachmittags am "Durbar Square", dem historisch, religiösen Hauptplatz der Stadt, an. Total ausgepumpt suchen wir ziemlich lange ein passendes, günstiges Hotel und finden es auch im Thamel. Inzwischen ist's dunkel geworden und wir freuen uns auf's Essen und die Dusche ! Der Touristenbezirk beherbergt nebst Souvenirsshops, T-Shirt-Läden und verschiedenen Bäckereien auch Restaurants mit Livemusik und einfach ein internationales, angenehmes Flair: "Äs isch immär eppis los" ! Schon bald machen wir mit den bunten Basaren, den geschäftigen, verkehrsreichen Plätzen Asan und Indra sowie dem UNESCO-geschützten "Durbar Square" Bekanntschaft. Die typischen Pagodentempel mit den kunstvollen Schnitzereien und den langen Eingangsbändern (als Wegweiser für die Götter, nach der Party) aus Messing gefallen uns sehr. Der Palasteintritt wird uns jedoch vom Eintrittspreis (200.- NR für den Platz, 250.- NR nochmals für den Palast) vermasselt. Der Spaziergang zu einer weiteren UNESCO-Stätte, der buddhistischen Stupa Swayambunath, ist abwechslungsreich: Es gibt viele kleine Shops, Schafwolle wird im Vishnumati-Fluss gewaschen, Mütter bringen ihre Kinder zur Schule. Die Stupa selbst ist wunderschön, die verschiedenen Buddhafiguren in ihr eingelegt, werden angebetet, mit Blumen und farbenem Pulver verehrt und oft auch von den Pavianen energisch bewacht. Von hier oben lassen sich die majestätisch kreisenden Adler wunderbar beobachten. Die Chaitya's (kleine Stupas mit verschiedenen Götterfiguren), bilden ein Plätzchen nebenan. Rundherum gibt's Souvenirs zu kaufen. Hunde jagen (die vor Hunger manchmal aggressiv werdenden) Paviane, Tauben tragen mit ihrem Kot das ihre bei. Die Treppe führt steil hinunter, an Garuda (dem Fantasievogel des Gottes Vishnu) und den grossen drei Buddhastatuen vorbei, zum Ausgang hin. Die ganze Anlage ist farbenfroh und sehenswert. Die hinduistisch bedeutende Stätte Pashupatinath begutachten wir nur von aussen. Zu oft wurden wir betreffend Pflege dieser Stätten enttäuscht, bedenkt man, dass Touristen oft 10,20-75 mal mehr als Einheimische bezahlen. Diese fassen oft einfach alles an (besonders in Indien) oder spucken irgendwo in die Ecke (in einem Museum zum Beispiel). Korruption, Diskrimminierung durch's Band. Dafür erleben wir im Rahmen des Indra-Jatra-Festivals, die Zeremonie der lebenden Göttin Kumari auf dem "Durbar Square". In ihrem Palast, der ebenfalls kunstvoll beschnitzt ist, wird dieses Mädchen geschminkt und herausgeputzt. Im Prozessionswagen (vor lauter Tuch und Blumengirlanden sieht man sie kaum darin sitzen) wird sie dann auf dem Platz von starken Nepali herumgetragen, dem Volk, den Botschaftern und dem Königspaar vorgeführt. In den kommenden Tagen wird sie auf verschiedenen Routen durch die Stadt getragen.
Bhaktapur, eine Stadt aus dem 12. Jahrhundert, war vorübergehend die Hauptstadt des Kathmandutales und im 17. Jahrhundert wurde das Weltkulturerbe mit deutscher Hilfe restauriert. Im Film "Little Buddha" diente sie gar als Kulisse.
In den zwei Wochen in Kathmandu treffen wir, ein immer spannender Teil unserer Reise, Reisende und Bekannte wieder. So sind wir recht erstaunt bei unserer Ankunft von Karen angesprochen zu werden. Wir trafen sie ganz kurz in Athen; sie radelte mit ihrem Fahrrad alleine durch Südostasien und Indien und hat momentan die "Schnauze" voll. In NY findet sie später eine Stelle als Englischlehrerin. Karen: Good luck with your job and thanks a lot for the great time ! Ebenso bedanken möchten wir uns bei Andreas, Boris (aus Deutschland) und Mikkel (aus Dänemark): Die Abende mit Euch bei Bier und Livemusik waren echt toll ! Ebenso trafen wir hier auch Malcolm und Chris wieder, die demnächst mit ihren Drahteseln nach Tibet fahren werden: Hej, Kiwis, we wish you good luck and thank you aswell for the great time !
Als wir endlich Kathmandu verlassen, will es der Zufall, dass wir unterwegs mit den Worldtruckern kreuzen. Ein gemütlicher Schwatz am Strassenrand ist fällig. Andy und Marcus, habt eine pannenfreie Weiterfahrt ! Wir sehen uns bestimmt bald wieder... ! Unsere Weiterreise gestaltet sich problemlos, aber heute fahren wir an einem tragischen Unfall vorbei: Ein Bus mit 35 Personen stürzt den Felsen runter in die Fluten des Trisuli-Flusses: Leider kein Einzelfall, im Gegenteil. Nur ein Passagier überlebt... In Sauraha, einem Dorf Nahe des Chitwan N. P. verbringen wir noch ein paar Tage, treffen da auch Andreas und Renate wieder.
Das absolute Highlight ist der Elefantenritt in den N. P., wo wir eine Nashorngruppe friedlich in einem Tümpel liegend beobachten und einen Hirsch aufstöbern können. Das gemütliche Urtier, der Elefant, ist einfach genial: Er trottet so ruhig vor sich hin, frisst dauernd, furzt und kann sogar seine Mistbollen beim Laufen abwerfen. Alles macht er mit einer unvergleichlichen Eleganz. Die Abende geniessen wir mit den beiden Schweizern, die wir hoffen in Goa wiedertreffen zu können. Gute Fahrt, ihr zwei und danke für die interessanten, lustigen Gespräche ! Von Chitwan aus fahren wir noch den Rest des East-West-Highway's Richtung Osten nach Darjeeling. Am 30.09.2002 starten wir früh, um bald die Grenze nach Indien passieren zu können: Doch so einfach soll's halt nicht sein ! Nach gut 60 m macht's "ratsch"... und die Kette liegt lange ausgebreitet auf dem Boden: Scheisse ! Nach einer Weile hat jemand Hilfe geholt und zu dritt wird der Tiger, vollbeladen, ca. 2 km weit unter der heissen Sonne zur Werkstatt geschoben. Zum Glück ist die Kettenritzelabdeckung nicht beschädigt und so dauert der Ketten- und Ölwechsel nur ein paar Stunden. Ausserdem fühlen wir uns mit nepalesischer Hilfe sehr wohl. Zur momentanen Situation in Nepal: Der Tourismus nimmt stark ab besonders wegen den in den letzten Jahren zunehmenden Problemen mit den Maoisten. Die Menschen selber haben wir als sehr freundlich, respektvoll und fröhlich kennengelernt. Nepal wird für uns immer wieder eine Reise wert sein.
Nun, endlich um 14.00 Uhr starten wir zur Grenze...
05.11.2002 - km 116'666
Die Rückkehr nach Indien brachte uns als erstes mit dem Monsun in Kontakt. Kaum die Grenze passiert, holt uns die Dunkelheit ein. Regen und löcherige Strasse geben der brisanten Situation die Würze. Wie sind wir froh, in Bagrodra ein angenehmes Hotel finden zu können ! Die Strasse nach Darjeeling ist in gutem Zustand: Distanz 60 km, Fahrdauer 3 Stunden. Die niedliche Schmal(schmal)spurbahn überquert bei jeder Kurve die Strasse ein bis zweimal. Wir glauben, hier gibt es mehr Bahnübergänge als überhaupt in der gesamten Schweiz. Zum Glück bleiben wir bei soviel Eisen vom Regen verschont. Wir geniessen die wunderbare Aussicht: Nach jeder Kurve, grauer Nebel - "äs heimatälät". Auf 2134 m.ü.M. quartieren wir uns in einer urigen Jugendherberge mit Holzboden ein. Die Übernachtung kostet ein Vermögen: Ganze 1.33 CHF pro Nacht für zwei Personen ! Der Blick auf Indiens "Hausberg" Kanchenjunga (8598 m.ü.M., dritthöchster Berg, 75% auf nepalesischem und chinesischem Boden) ist vor allem frühmorgens klar.
Die Teeplantage "Happy Valley Tea Estate" zählt knapp 150 Jahre und sieht auch genauso aus: Da stehen gleichalte Fermentierungsofen aus Belfast und England. 240 Pflückerinnen bringen knapp 1 Tonne Teeblätter pro Tag in die Verarbeitung. Das Verarbeitungsprozedere ist eindrücklich, da seit 1854 alles genau gleich geblieben ist. Der Tee allerdings schmeckt sehr gut. Im "Snow Leopard Breeding Center" können wir diese weisse, niedliche Katze aus nächster Nähe beobachten. Die jungen Kätzchen sind ja so was von putzig ! Ausserdem bestaunen wir das rotleuchtende Fell des Red Panda. Darjeeling ist eine wunderschön gelegene, idyllische Hill Station.
Auf dem Weg nach Varanasi übernachten wir in den total überbevölkerten und hässlichen Städten Purnia und Patna. Die Strasse ist fantastisch: Wenigstens sind ein paar Fahrstreifen seitwärts und in der Mitte der Kraterpiste mit einem Motorrad noch befahrbar. Immer und überall sind Menschen da. Sie arbeiten unter anderem auf Bananen-, Mais- und Reisfeldern. Die Landschaft ist flach, wenig grün, dafür die Flüsse (auch der Ganges) extrem breit und nicht tief.
In Varanasi finden wir ein kleines, einfaches Gästehaus beim letzten Ghat (=Treppen, die zum Fluss führen) mit den beiden sympathischen Studenten Andan und Amed als "Untermieter".
Sie zeigen uns die riesige Benares Hindu Universität (1917 erbaut): Ein Campusgelände mit 124 Studiendepartementen und dem "New Vishwanath Tempel", dessen entspannte, lichte Atmosphäre uns sehr zusagt. Wir besichtigen eine Seiden-Weberei-Fabrik (Seide aus Varanasi ist qualitativ hochstehend und entsprechend berühmt) und treffen später ganz überraschend auf einen alten Bekannten: Beim Besuch des Internetcafes gucken Jason aus Melbourne und Flavia ganz verdutzt aus der Wäsche, als sie sich überraschenderweise wiedersehen. Wir hatten in Athen und Istanbul bereits das Vergnügen mit dem seit fast einem Jahr reisendenden aufgestellten Australier. In den zu empfehlenden Restaurants "Haifa" und "Vaatika" sitzen wir zusammen und wissen Interessantes zu berichten. Thanks Jason, it was great and amazing to meet you again ! See you in Melbourne !
Frühmorgens starten wir mit dem Spaziergang, den verschiedenen Ghat's entlang: Heute wollen wir Kremationen sehen. Ein weiterer Grund, warum Varanasi bekannt ist. Im Hinduismus ist sie eine der sieben heiligen Städte am Ganges (einem der sieben heiligen Flüsse) liegend. Deswegen pilgern viele Inder hierhin, um sich im Ganges zu waschen, zu beten, sowie Kleider zu reinigen oder eben um zu sterben. Nebenbei wird auch die Toilette darin verrichtet und ganze, unverbrannte Leichen flussabwärts geschickt: Die Sadhus (heiligen Männer) oder Menschen, die von einem heiligen Tier (z.B. einer Kobra) gebissen wurden, werden mit dem Traggestell aus Bambus direkt ins Wasser gegeben. So staunen wir nicht schlecht, als so eine Leiche an uns "vorbeischwimmt". Am Hauptverbrennungs-Ghat, Manikarnika, werden rund um die Uhr mehrere Leichen verbrannt. Ca. 400 kg Holz braucht ein menschlicher Körper, um dann in ca. 3 Stunden ganz verbrannt zu werden. Den Goldenen Tempel mit Dom (mit 800 kg Gold bedeckt), dürfen wir von einer Terrasse aus begutachten; fotografieren verboten ! Bei einem Motorrad-Mechaniker versucht Marcel, eine bessere Vergasereinstellung zu machen. Dabei entdeckt er, dass das Luftfilter-Gehäuse gebrochen ist. Somit ist der Vergaser schon ziemlich verdreckt, die Düsen jedoch sind zum Glück noch sauber. Den Luftfilterkasten provisorisch verschlossen, stellt Marcel bald einmal fest: Der Mechaniker hat weder die entsprechenden Geräte noch das nötige Wissen über solche Einstellungen und Motorräder. Trotz grosser Enttäuschung entschliesst sich der Abenteurer, die Grundeinstellung zu belassen und merkt dann bei der Weiterfahrt: Uups, der Tiger "säuft" 12l ! Bis Agra wird der Verbrauch mittels Änderung der Einstellschraube auf ca. 7 Liter runtergebracht. Die Strasse können wir glücklicherweise wieder als eine solche benennen.
Eine weitere sehenswerte Ortschaft ist Khajuraho, in einer bewaldeten, flachen aber abwechslungsreichen Landschaft gelegen. Die eindrücklichen, hinduistischen Tempel sind mit erotischen Figuren und Stellungen bestückt.
Der farbenfrohe Man Singh-Palast in Gwalior, mit seiner eigenen Architektur mosaikartig geschmückt, ist eine willkommene Abwechslung. Der absolute Höhepunkt allerdings ist das
Taj Mahal
in Agra. Die allabendliche Stimmung geniessen wir besonders von der Dachterrasse des Hotels aus, mit Blick auf das Symbol der Liebe. Die Steinintarsien sind atemberaubend schön und noch nie haben wir (inzwischen sind's doch schon einige) so kunstvolle Steinarbeiten gesehen. Auch die Atmosphäre, die vom muslimischen Mausoleum und der nahegelegenen Moschee ausgeht, wirkt entspannend auf uns. Das ist auch wirklich nötig, denn über den hohen Eintrittspreis (15.- US$, im Gegensatz zu -.20 US$ für Inder) ärgert man sich als Langzeitreisender schon. Bei einem muslimischen Geschäftsmann schreiben wir denn auch einen Brief an die Regierung gegen die absolut unfairen Touristenpreise in diesem Land.
Mit dem Iren John, drei australischen Krankenschwestern und einem Belgier (Touristenführer in Thailand) erleben wir einen lustigen Abend mit Gesang. Währenddessen ziehen am Himmel tausende von Flughunden vorbei.
Das Rote Fort besichtigen wir, wegen den erwähnten unfairen Eintrittspreisen, nur von aussen. Die grünen Kakadus bilden zu den roten Sandsteinmauern einen hübschen Kontrast.
Von Agra geht die Fahrt weiter nach Rajasthan. In der Hauptstadt Jaipur besteigen wir den schon etwas verfallenen Palast der Winde. Jodhpur beeindruckt mit seinem gigantischen, optimal gelegenen
Fort Meherangarh
und seinem sehenswerten Museum. Hier lebt noch immer ein Maharaja und von hier überblickt man die ganzen blau bestrichenen Häuser der Quartiere: Die blaue Stadt, wird sie deswegen genannt. Schön ist's, wieder durch eine wüstenhafte Weite fahren zu können, die auch mal eine Pause ohne Schaulustige ermöglicht. In Jaisalmer (der goldenen Stadt), am Rande der Wüste Thar, besuchen wir die Altstadt mit dem Fort und den kunstvollen Jaintempeln, sowie ein 400jähriges Haveli (früheres Herrschaftshaus). Die Atmosphäre ist etwas ganz Besonderes.
Auch in Udaipur, im Süden des Staates, fühlen wir uns sehr wohl ! Die Besichtigung des grosszügig angelegten und noblen Palastes, in dem ebenfalls noch ein Maharaja wohnt und zwei Luxushotels für betuchtere Gäste bereitstehen, startet mit einer Überraschung: Gleich hohe Eintrittspreise sowohl für Touristen wie auch für Einheimische; das gibt's doch gar nicht ! In einem besseren Hotel gönnen wir uns ein erfrischendes Bad im Roof-Top-Swimmingpool. Das Abendessen unseres Haveli-Gästehauses schmeckt bei Open-Air-TV mit dem Film "Octopussy" natürlich besonders gut (der 007-Streifen wurde teilweise hier gedreht).
Die grösste Stadt Indiens, Mumbai, ist unser nächstes Ziel. Die stolzen, gotischen Gebäude und Kirchen aus der britischen Kolonialzeit, geben ihr einen besonderen Charakter. Mit Peter aus England, gehen wir auf eine Sightseeingtour. Die "hanging gardens" beherbergen viele heckgeschnittene Figuren, in Gandhi's Wohnhaus Mani Bhavan bestaunen wir seine Lebensgeschichte, dargestellt mit Miniaturpuppen in Schaukästen. Im Kolifischerdorf (die Fischer sind Mumbai's Ureinwohner), werfen wir einen Blick auf die grösste Wäscherei der Stadt: In vielen Betonwaschbecken wird die Wäsche geschlagen, geschrubbt und eingelegt. Die grösste Überraschung allerdings erleben wir im Cafe "Barista": Hier treffen wir das österreichische Paar, welches wir in Pakistan bereits kennengelernt hatten, wieder. Wir wähnten sie noch immer in in Goa und sind völlig von der Rolle, als wir ihnen hier begegnen ! Bei gemütlichen Stunden gibt's viel Lustiges, Interessantes zu erzählen. Euch beiden eine erholsame, freudige Heimreise und herzlichen Dank für die unvergessliche Zeit ! Wir sehen uns beim Brotbacken ! !
Die Abfahrt von Mumbai Richtung Goa verzögert sich. Der Grund ist wieder einmal Marcel ...
09.12.2002 - km 117'370
...noch wissen wir nicht genau, weswegen er alle drei Wochen für kurze Zeit krank wird. Ist es ein Parasit ? Einige Tage zur Erholung und los gehts frühmorgens. Noch im Dunkeln verlassen wir Mumbai das sich im Festtagskleid (Diwali) präsentiert. Überall hängen bunte Lichterschlangen und Lampione in verschiedenen Grössen. Die extrem ohrenbetäubenden Knallkörper (Sicherheitsbestimmungen - was ist das ?) gehören ebenfalls zum Fest der Oellampen und Süssigkeiten.
Eine Weile führt uns die Strasse umher, bis wir auf die Nationalstrasse nach Goa gelangen. Genau da wollen wir hin ! Bald begegnen uns Kühe mit spitzen, gerade nach aussen gewachsenen Hörnern. Da behält man doch besser Respekt und genug Abstand ! Müde kommen wir nach einem "Monstertag" (12 Stunden, 600km) in Vagator an.
Der im Norden Goa's liegende Badeort sieht gemütlich aus mit weitflächigen, grünen Hotelanlagen, palmenblättergeflochtenen Strandrestis, kleinen Lebensmittelshops und "sun, fun and nothing to do"-Athmosphäre. Am nächsten Tag auf einem grünen Parkplatz, paradiesisch gelegen treffen wir Andy und Marcus mit ihrer "Maggie" wieder. Obwohl erst sechs Wochen nach dem kennelernen verstrichen sind, freut's uns reisig, die drei wiederzusehen ! Ca. 30m höher als der Strand gelegen hat man einen wunderbaren Ausblick aufs Meer, die Klippen und Wellen und natürlich als Garnitur: Jede Menge Kokosnusspalmen ! Das soll der Platz für unser Zelt sein ! Die "Beachtage" verbringen wir unter anderem mit Wasserholen (von der Süsswasserquelle unten am Strand), Joggen, Schwimmen, E-Mail-Schreiben, Einkaufen und natürlich dem allabendlichen Genuss des billigen Alkohols am Stammtisch. Mit dem gemieteten Moped fahren wir durch die tropische Landschaft, wo uns immer wieder Zeugen aus der portugiesischen Besatzungszeit begegnen: Kreuzstöcke (kleine Altare und Kapellen), Kirchen und typische Landhäuser. Die Basilika Bom Jesus in Old Goa beherbergt eine uns völlig unbekannte Art kirchlichen Stils: Die Altare sind kunstvoll geschnitzt und golden bemalt. Ansonsten strahlen die weissen Mauern eine schlichte Athmosphäre aus, geben einen speziellen Kontrast. Beeindruckt bleiben wir vor dem silbernen Grab auf einem mit weissen Engeln geschmückten dunklen Sockel stehen: Die Ruhestätte des hl. Franz von Assisi mit einigen seiner Gebeine. Ein Moment der Stille und Andacht folgt...Die Kirche des hl. Franz von Assisi enthält Bilder seines Lebens; leider ist dieses Gotteshaus jedoch schon sehr vernachlässigt.
Was die Zeit hier in Vagator für uns besonders macht, sind, nebst der paradiesischen Landschaft die gemeinsamen Stunden und Diskussionen mit Andy und Marcus... Karin und Daniela aus dem Kanton Zürich sind ebenfalls dabei. Da wird gelacht, getanzt und, was halt dazugehört, viel getrunken (ist ja nicht unsere Schuld, wenn der Alkohol hier so günstig ist) ! Karin, Daniela und Woldtrucker: Das bleibt unvergesslich, ein herzliches Dankescheen !
Nach neun Tagen packen wir unsere (halt mehr als sieben) Sachen, beladen unser "Baby" und fahren ca 90km gen Süden an die nächste Beach: Agonda.
Im Gegensatz zu Vagator, wo nun die 24-Stunden- und Vollmondpartys mit lautem Techno-, Chill out- und Goa-Sound starten, ist's hier noch sehr ruhig; hat die Natur noch völlig Überhand. Der lange Strand liegt halbrund um das klare Meereswasser geformt. Unsere Behausung stellen wir neben Doris und Wolfgang auf, einem afrikaerfahrenen Paar aus Deutschland. Sie reisen seit einem Jahr mit ihrem saharatauglichen Allroundauto in Nepal und Indien. Trotzdem wir es mögen, auch mal alleine zu sein, sind wir jederzeit auch um sympathische Gesellschaft froh ! Chaudi und die Stadt Margao sind die wichtigsten Anlaufstellen wenn man etwas braucht. Vor Margao lassen wir in einer gutgehenden Klinik den Stuhl und das Blut von Marcel untersuchen. Ergebnis: Nichts ! Kein Parasit, keine Malaria (naja, zum Glück !). Ist's wohl eine Allergie gegen indische Grossstädte ? Die Küstenstrasse über Velim, Betul ans Cabo de Rama zieht sich über Hügel durch den Misch(tropischen) Wald, den Ackerfeldern entlang. Fischer flicken abends die Netze, Frauen trocknen roten Chilli auf der Strasse... ein hartes, einfaches aber auch idyllisches Leben ? Die Fisch-, Fleisch- und Gemüsemärkte pulsieren, während sich immer mehr Touristen an den Stränden sonnen. In Palolem geniessen wir das erfrischende Meereswasser, wie auch eine Ganzkörper-Ayurvedic-Massage (600 v.Chr. entwickelte Kräutermedizin) mit jeder Menge Öl: So muss sich wohl eine eingelegte Sardine fühlen. Die absoluten Highlights ergeben sich allerdings aus dem Leen am Meer: Da wird zusammen gekocht (Fisch, Fleisch, Huhn, Salate), gegrillt, gebacken (Schlangen- oder Stockbrot). Man fährt mit dem Moped einkaufen oder ins Internetcafe, schwimmt im Meer und geniesst die fantastischen Sonnenuntergänge, schreibt, liest, hört Musik und das Beste: Zusammensitzen und bei Bier, gutem und weniger geschmacksvollem Alkohol und lustigen Gesprächen !
Leute der Agonda Stammtischtruppe, Andy und Marcus: Wir werden euch ganz schön vermissen und die freudige, spassige Zeit niemals vergessen ! Doch die Weiterreise verzögert sich: Die Batterie ist hin und eine neue muss besorgt werden. Nachdem Marcel und Marcus die Zündkerzen geputzt und kleine Pflegearbeiten am Tiger vorgenommen haben, springt die Raubkatze wieder an. Endlich können wir Ende November Richtung Süden, nach Cochin weiterfahren ! Schlussendlich wirds dann 1. Dezember, als wir schweren Herzens Abschied nehmen von dem sympathischen Trupp.
Doch wir schauen auch vorwärts: Malaysia ruft ! Und nach den drei letzten Tagen in der Verkehrshölle Indiens erreichen wir überglücklich und totmüde Cochin.
Von der Stadt an der südlichen Westküste in den "Backwater" gelegen, arrangieren wir den Cargoschiffstransport für den Tiger und buchen zwei Flüge nach Singapur. Auch das klappt nur, indem wir manchmal heftig auf den Tisch klopfen. Doch wir sind froh, nach drei Monaten Indien endlich verlassen zu können: Es ist in jeder Hinsicht ein Land der Herausforderung ! Obwohl wir einiges mit der Zeit verstanden, worüber wir zu Beginn nur den Kopf geschüttelt haben, ist Indien und die Mentalitäten seiner Menschen für uns eine vollkommen andere Welt. Hier geschieht das Schönste, Eindrücklichste neben dem Schrecklichsten, Abscheulichsten ! Oft fühlten wir uns nicht willkommen. Doch ob es wirklich nur an uns lag ? Fahr selber hin und bilde Dir Deine Meinung !
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