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09.03.2002 - km 98'968
Wir gelangen in die nördliche, landwirtschaftliche Region Griechenlands. Unser erster Halt: Ein Bungalow im Camping Rizos bei Kalambaka, dem Dörfchen am Fusse der Meteora-Felsen. Am nächsten Tag besichtigen wir das Frauenkloster Roussanou, eines der sieben noch existierenden Klöster auf den gewaltigen, einmaligen Monoliten. Bei der Weiterfahrt nach Thessaloniki, erhaschen wir einige Blicke auf das Olympus-Bergmassiv, dem ehemaligen Sitz des Göttervaters Zeus. Thessaloniki ist eigentlich keine schöne Stadt, ausgenommen einige idyllische Quartiere der alten Oberstadt. Dafür nutzen wir die Gelegenheit der Gratis-Museums-Eintritte (Sonntag). Alexandroupoli ist unsere letzte Station in Griechenland. Am 12. Februar reisen wir bei km 96'600 in die Türkei ein, werden freundlich willkommen geheissen und finden mit Hilfe eines sympathischen Taxifahrers das Yuecelt Interyouth Hostel in Istanbul.
Wir sind froh, heil angekommen zu sein. Zu unserer freudigen Überraschung hat das Hostel ein Supiwinterangebot: Kostet es doch nur 10'000'000.- türk. Lira pro Person mit Frühstück, "Znacht" und einer Stunde Gratis-Cola und -Bier in der Bar. So geht jeden Abend bei Billiard und Dart die Post ab. Während wir für die Visas und die Post von daheim 2 1/2 Wochen warten müssen, lernen wir wiederum sympathische, interessante Menschen kennen: Rich aus GB, Tarzan und Ari aus J, Michele aus der Schweiz, Wiedersehen mit Jason aus Melbourne (in Athen kennengelernt), Jeanette aus D, Al aus Chile, Maria aus S, Jacob und Greta aus den USA usw. Hey people, thanks a lot for this great time and don't forget the billiard !
Die Stadt, besonders unser Quartier Sultanahmet, mit ihrem orientalischen Charakter gefällt uns sehr ! Wir besichtigen die Aya Sophia (Kirche/Moschee und heute Museum), die
Blaue-, Süleyman- und die Fatih-Moschee (sehr beeindruckend, gross und kunstvoll bemalen), den Topkapi-Palast und die gewaltige Untergrund-Zisterne. Die Bootsfahrt auf dem Bosporus und das türkische Bad mit Massage sind spezielle Erfahrungen. Dank dem Bayram (=Fressfest) dauerte unsere Postlieferung länger als gedacht. Endlich können wir weiterziehen, haben wir doch all die andern Reisenden bereits verabschiedet !
Nächster Stop: Troja, wo wir den 15 m hohen Burghügel und das Holzpferd, mit dem die Griechen die Trojaner überlistet haben, besichtigen. Wieder einmal ist Camping angesagt, in einem kleinen Hinterhof, in Begleitung des 3jährigen Rüden Hector. Diverse archeologische Stätten wie Bergama, Aphrodisias und Ephesos werden auch von uns bewundert.
In Pamukkale klettern wir barfuss den Weg durch die Kalksinterterrassen hoch und bestaunen das weisse Meisterwerk der Natur. Die Sehnsucht nach Skifahren kehrt für kurze Zeit zurück ... In Izmir, einer sehr westlichen Stadt an der Ägäis, treffen wir die drei Holländerinnen Isabel, Sandra und Marieke wieder. Sie nächtigten ebenfalls in Istanbul, studieren Tourismus und weilen für ein Zwischenstudium einige Monate hier. Thank you so much for this very nice evening by çay and kahve ! Die Temperaturen steigen, je südlicher wir fahren. Es liegen sogar Spitzenwerte von bis zu 30°C vor. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich: Mal Meer und Buchten, dann Bergmassive und fruchtbare Ackerfelder, saftig grüne Wiesen. Die Menschen sind freundlich. Von den Frauen tragen schon lange nicht mehr alle ein Kopftuch. Die Verwestlichung findet immer mehr statt, ganz im Sinne des "Türkenvaters" Kemal Atatürk. Schaf- und Ziegenherden werden auch von Frauen gehütet (überhaupt hat man das Gefühl, in diesem Land arbeite meist nur die weibliche Hälfte). In den Bauerndörfern leben die Menschen wie vor 50 Jahren, vor allem was die Häuser anbetrifft. Doch 'ne SAT-Schüssel muss draussen hängen ! Esel sieht man überall, eine Schildkröte (die seelen-ruhig über eine Schnellstrasse spaziert) trägt Flavia auf die andere Seite in Sicherheit, damit sie nicht überfahren wird.
Bodrum und Marmaris sind Städte an einer wunderbaren Lage am Meer. Leider ist hier der Tourismus zu ausgeprägt und raubt daher den Ortschaften jegliches Flair. Die wunderschöne Landschaft mit den Halbinseln und Landarmen weit ins Meer hinaus, können den Vergleich mit den griechischen Inseln (die man von hier aus sehen kann) jederzeit aufnehmen. So steigen in uns Erinnerungen an Skandinavien auf ...
In Fethiye, wo einige Königsgräber aus hellenistischer Zeit liegen, geht die jährliche Touristenflut nächstens los. Von Fethiye bis Antalya fahren wir über Land. Vorher entdecken wir allerdings noch das Paradies auf Erden: Ölü Deniz, eine bekannte Lagune mit langem Sandstrand und türkisblauem Meerwasser. Da wir das Wetter morgen nicht wissen und der Himmel heute arg bedeckt ist, fahren wir nach gründlicher Überlegung weiter. An der Geisterstadt Kayaköy mit 1200 Häusern (aus der die letzten Griechen nach dem Unabhängigkeitskrieg der Türkei 1922 vertrieben wurden) fahren wir nachdenklich vorbei. Die Berglandschaft ist sehr verschieden: Mal karg mit wenig Grün, mal steinig jedoch kräftig bewachsen und dann wieder wüstenhaft sandig. Auf ca. 1450 m.ü.M. durchqueren wir eine riesige Hochebene und erreichen am späten Nachmittag mit über 30'000 km auf dem Tacho (Gesamtreise-km) Antalya.
07.04.2002 - km 102'095
Antalya ist für seine Beaches bekannt und im Sommer wimmelt es nur so von Touristen. Wir geniessen ein paar Ruhetage, holen die bestellten Ersatzreifen ab und fahren, immer dem Meer entlang, weiter nach Anamur: Mal höher, mal tiefer aber meist mit vielen Kurven. In Anamur kraxeln wir auf der Mamure Kales (Burg mit 38 Türmen und 3 Höfen) herum und fühlen uns wie Ritter und Burgfräulein. Die Strasse führt uns bald auf ein von Canyons zerfurchtes Hochplateau. Wir erreichen eine flache, sandige wüstenähnliche Ebene und die Stadt Konya. Im 13. Jahrhundert gründete hier Mevlana Rami den Derwish-Orden. Wir besuchen das Museum (umfunktioniertes Moschee) und bewundern Koranbücher, traditionelle Instrumente und die mit kostbaren Stoffen zugedeckten Grabmale Rumi's, seines Vaters und seiner Anhänger. Weiterfahrt nach Göreme.
Nicht aber, um unterwegs das alte Gemäuer der grössten Karawanserei in Sultanhani zu besichtigen. Die flinken Erdmannli's sind leider immer so schnell in ihren Löchern verschwunden. Keine Chance zum Fotografieren ! In der Tuffstein-Märchenlandschaft Kappadokiens inspizieren wir die Höhlenwohnungen. Diese einmalige Gegend wurde vor Jahrhunderten durch die Lava (Schmelzung des Tuffgesteins) geformt. Wir durchwandern Täler und können uns kaum sattsehen, an den von Menschenhand gebildeten Wohnungen und gemalten Fresken. Hier treffen wir auch Tarzan, der japanische Fahrradfahrer (Jugendherberge Istanbul) wieder und die erste Flasche Wein ist auch schon leergetrunken.
Mit ihm, dem Tandempaar Tomoko und Kazunari, den andern Bikern Miyuki und Justin sowie Pedro aus Winterthur erleben wir unvergessliche Stunden und geniessen feines, selbstgekochtes Essen (Pedro ist Koch). Das Wetter (ca. 1500 m.ü.M.) ist anfangs bei 15 - 20°C sonnig und angenehm. Nur die Nächte sind kalt. Unsere Zelte stehen vor der Flintstones-Pension. Da es die Gelbatterie des Tigers gesprengt hat, müssen wir auf Ersatz warten.
Bei den interessanten Gesprächen mit Pedro (seit 6 Jahren unterwegs) und dieser faszinierenden Umgebung, fällt uns dies allerdings nicht schwer. So holt uns wieder der Schnee hier ein (Athen, Istanbul). Endlich geht's weiter. Mit Pedro, den wir in Ilhara wiedersehen, durchwandern wir das gleichnamige Tal mit seinen vielen Felsenkirchen und unzähligen Fresken. Es ist der 29. Geburi von Flavia und sie wird von den beiden mit Pommes Chips, Raki und Oliven sowie einem feinen Znacht verwöhnt. Miykui und Justin, Tarzan und Pedro, Tomoko und Kazunari: Herzlichen Dank für die tolle Zeit mit Euch (thank you so much for the great time) !
Bei etwas Schnee (schon wieder) und Hagel, kommen wir in Ankara an. Die Altstadt ist heruntergekommen, die Neustadt eigentlich sehr modern. Hier treffen wir Georgia aus Texas wieder, die in der Stadt studiert und wir ebenfalls in Istanbul kennengelernt haben. Thanks for the very nice evening ! Bei wechselhaftem Wetter gelangen wir an der wunderschönen Schwarzmeerküste entlang nach Samsun und Trabzon. Aus irgend einem Grund läuft der Tiger nur noch auf zwei Zylindern. Kerzen geputzt, Vergaser getrimmt. Doch er will immer noch nicht. Mit Hilfe eines Mechanikers wird das ganze Prozedere wiederholt und die Kerzen ausgewechselt. Nun schnurrt unsere Raubkatze wieder. Für Erzurum (Regenloch) müssen wir über einen 2524 m hohen Pass und brauchen dafür schönes Wetter.
Wir haben Glück: Zwar scheint die Sonne nur über dem herrlich grünen Mackatal und versteckt sich nachher hinter Wolken; jedoch bleibt es, bis die letzten Kilometer vor Erzurum, trocken. Ein Schneefuchs überquert die Strasse. Ein kurzes, aber besonderes Erlebnis. Natürlich schneit es auch hier wieder. Doch tagsdarauf scheint die Sonne. Die Sehnsucht ruft: Wir müssen einfach ! Das geht nicht anders ! So mieten wir die Bretter und donnern die Tiefschneehänge herunter. Aahh, skifahren, so was Schönes ! Am nächsten Tag starten wir. Es schneit zwar wieder, aber wir wollen weg.
Nach ca. 50 km ist es zwar noch bewölkt aber trocken. So sind wir heilfroh, die nächsten Pässe bis Dogubeyazit problemlos überqueren zu können. Der Berg Ararat (wo einst die Arche Noah strandete, 5137 m) versteckt sich hinter den Wolken. Doch das ist halt das Schicksal, wenn man so hoch ist. In Dogubayazit gibt uns Memet viele wertvolle Tips für den Iran. Die Alarmanlage des Tigers spinnt seit Antalya, wo sie (trotz Anweisung, Selberwaschen nicht möglich) durch Waschen genässt wurde. Marcel öffnet sie, um sie trocknen zu lassen. Doch sie leert, wieder montiert, die Batterie. Am Abfahrtstag können wir den Tiger erst nach Laden der Batterie starten. Irgend etwas klingt aber immer noch nicht gut. Er läuft wiederum nur noch auf zwei Zylindern. Wir fahren zum Mechaniker, in der Hoffnung, dass der uns weiterhelfen kann. Doch der versteht gar nichts. Marcel wechselt die mittlere Kerze erneut. So können wir erst am Nachmittag die Grenze zum Iran überqueren. Während das türkische Zollgebäude fast auseinanderfällt und wir unlogischerweise eine Stunde für die Ausreise benötigen, steht auf der iranischen Seite ein brandneues Zentrum. Alles in allem dauert das ganze Prozedere ca. zwei Stunden. Wir werden freundlich willkommen geheissen. Danach dürfen wir endlich weiterfahren !
27.04.2002 - km 105'558
Die erste Nacht verbringen wir in einem spartanisch eingerichteten Hotelzimmer und einem ständig nach 'Bakschisch' fragenden Chef. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Grenzorte zwar praktisch, aber eben auch meist schlecht sein werden...Dafür werden wir mit einer wunderbaren Sicht auf den Berg Ararat verwöhnt. Das iranische Volk begegnet uns überraschenderweise sehr gastfreundlich. In Tabriz lernen wir Leila kennen und verbringen die meiste Zeit mit ihr, ihrer Freundin Kamelia und beim Mechaniker. Hier, dem Oberguru aller Zweiradhändler, wird die gesamte elektrische Zündanlage überprüft, der Vergaser gereinigt, das dabei entdeckte Problem behoben und frisch eingestellt und alles wieder montiert. Weiterfahrt nach Ardabil (unfreundlich und arktisch kalt). Am zweiten Abend bezahlt uns ein junger Mann Brot und Dessert. Dabei haben wir nur nach dem Weg gefragt. Leider wechselt das Wetter bei der Fahrt an die azerbaijanischen Grenze und das kaspische Meer. Nach anfänglichem Nebel bei der Überquerung von grünen, bewaldeten Bergen folgt bald ein starker Regen. An den mit Wasser gesättigten Reisfeldern vorbei begleitet uns das Nass bis nach Rasht. Hier Erholung und Aufwärmen in schönem Hotelzimmer. Die Sonne ist wieder da und sie begleitet uns, auf dem Weg an riesigen Reisfeldern vorbei. ! Weiterfahrt durch viele kleine Bauerndörfli nach Chalus. Das Tal, welches wir auf dem Weg nach Teheran durchfahren, begeistert durch gewaltige Fels-schluchten und Berge, die an daheim erinnern.
Teheran besticht durch seine vielen, herrlich grün angelegten Parks, dem westlichen Aussehen, dem Jamshidye-Park sowie Masud. Leila bat ihn, uns durch die Stadt zu führen. Er nimmt prompt zwei Tage frei, obwohl er erst seine neue Stelle angetreten hat und uns nicht kennt ! Leila hat auch gleich unsere Tage hier verplant. Sie ist sehr besorgt, doch uns geht's prima. Sie möchte auch dem System ausbrechen, hat aber keine Chance. Frauen können nur ins Ausland gehen, wenn sie da Verwandte haben oder verheiratet sind. Bei uns fühlt sie sich verstanden.
In einem der Parks treffen wir zufällig Mark aus Deutschland wieder, den wir ebenfalls in Istanbul (es war ein soo genialer Platz) kennengelernt haben. Zusammen erleben wir eine echt gute Zeit. Wir werden von Farsi, einem Freund Masud's, zum Abendessen eingeladen. Seine Eltern besitzen ein Zweistock-Appartement an der Spitze eines Hochhauses im nördlichen Stadtteil. Als wir dann in der Küche sitzen und fürstlich dinnieren, wissen wir immer noch nicht recht, wie uns geschieht. Wir fühlen uns wie in einem Traum, bei all dem Luxus ! Und erst die Aussicht über die Lichter der Stadt ! In dieser Nacht gehen wir sehr, sehr spät zu Bett. Nicht aber, um vorher noch ein Granatapfel-Dessert probiert zu haben. Hey Mark, Masoud and Farsi with family, that was fun ! Vielen Dank für die lustige Zeit und see you in India !
Esfahan ist unsere nächste Station. Die Stadt ist wunderschön, sie besitzt grossartige Gebäude (Ali Quppa- und Chehel Sotu-Palast) und der Imam-Khomeini-Square ist riesengross ! Nur leider hat der Tourismus den Charakter der Menschen verändert. Gastfreundschaft wird hier nicht mehr grossgeschrieben ! In Yazd lernen wir Marc aus Brüssel kennen und durchstreifen mit ihm die interessante, historisch wichtige Wüstenstadt. Wir entdecken eine traditionelle Bäckerei. Marc, thank you aswell for the interesting hours !
In Shiraz fällt uns der hohe Anteil an knabenhaften Soldaten auf. Auch Militärkleidung wird hier viel verkauft. Die Unterkunft ist zwar günstig, dafür kann alles andere kaum bezahlt werden. Wir besuchen die älteste Moschee Irans und die Mausoleen von Shah-e Chergh und des Bruders Emam Reza's. Sie sind mit Spiegelstückchen über und über bedeckt und es glitzert und glänzt.
Im Vakil-Bazar sehen wir traditionelle Bekleidung, Handarbeit (Nomaden) usw. Wir beschliessen, in einem Zug nach Bam zu fahren. Die Natur ist atemberaubend: Die Landschaft wechselt von salzig (Salzseen) sandig, wüstenhaft zu gebirgig, grün und fruchtbar. Es wird dunkel und der Lastwagenverkehr nimmt leider nicht ab. Da viele das Licht in der Dämmerung nicht einschalten, herrschen fast kriminelle Zustände. Marcel muss sich konzentrieren. Wie sind wir froh, nach 774 km endlich das Akbar Tourist Guesthouse in Bam zu erreichen.
Die Arg-e Bam, eine sassanidisch, safavanidische Festung mit Altstadt, ist faszinierend ! Die lehmüberzogenen Ruinen strahlen eine freundliche Atmosphäre aus. Wie war das wohl, als in den Gassen Leben herrschte und farbenfrohe, in Tücher gehüllte Menschen, umher eilten ? Ein unglaublicher Platz, inmitten der Kavir-e Lut-Wüste. Wir verweilen hier stundenlang. Bam selber ist halt staubig und nichts Besonderes. Es ist heiss (ca. 35°C), doch wir geniessen die beruhigende Atmosphäre im Guesthouse und bereiten uns auf das kommende Land, Pakistan, vor. Gespräche mit deutschen "Kurzreisenden" und italienischen Zwillingsbrüdern (yeah, endlich wieder mal italienisch reden) bieten eine willkommene Abwechslung. Morgen gehts weiter...
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